Zukunft ohne Zivildienst

Kommentar: Neue Wege gehen

Wenn die Wehrpflicht in Deutschland ausgesetzt wird, dann stirbt auch der Zivildienst. Die Auswirkungen sind strittig: Drohen fatale Folgen für Sozialverbände (die ja bereits kräftig Alarm schlagen) oder überwiegt der volkswirtschaftliche Nutzen? Von Peter Schulte-Holtey

Tatsächlich könnte sich der Verzicht auf Zivis auszahlen. So legt die Zentralstelle für Kriegsdienstverweigerer eine interessante Rechnung vor. Demnach könnte sich für den Bundeshaushalt eine Abschaffung des Dienstes sogar lohnen. Der Bund wende rund 11.000 Euro pro „Zivi“ auf, die Zivildienststellen legten 7 000 Euro drauf, so dass eine Stelle 18.000 Euro pro Jahr koste. Die Ausgaben für drei Zivildienstleistende beliefen sich somit auf 54.000 Euro, zwei regulär beschäftigte Pflegehilfskräfte würden rund 56.000 Euro kosten. Stelle man für diese Jobs Arbeitslose ein, könne man zusätzlich etwa 6.000 Euro Unterstützung pro Kopf einsparen.

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Die meisten Sozialverbände, die anstelle der Zivildienstleistenden unter Umständen examinierte Hilfskräfte einstellen müssten, sind enorm verunsichert. Statt sich aber bei der Suche nach Lösungen wieder nur auf öffentliche Gelder oder eine wundersame Vermehrung des Freiwilligen-Engagements zu verlassen, sollten DRK, AWO und Co. verstärkt neue Wege gehen - zum Beispiel vermehrt auf Finanzierungen durch Stiftungen besonders wohlhabender Bürger setzen.

Aufgabe der Politik ist es jetzt, möglichst schnell das Durcheinander in der Diskussion um die Zukunft des Zivildienstes und den Ausbau von Freiwilligen Diensten zu beenden. Die Sozialverbände brauchen endlich Planungssicherheit.

Quelle: op-online.de

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