Neues Buch feiert 20 Jahre Café Kante

Biotop für frühe und späte Vögel

Frankfurt - Wer sich heute nicht sofort auf den Weg macht, wenn ein neues Lokal eröffnet, muss befürchten, dass der Laden bald schon wieder geschlossen hat, weil er nicht mehr in ist. In solch schnelllebigen Zeiten ist es deshalb etwas Besonderes, wenn ein Café sein 20-jähriges Bestehen feiern kann. Von Detlef Kinsler 

An diesem Sonntag feiert jedenfalls ein Klassiker seinen 20. Geburtstag. Es ist das Café Kante im Frankfurter Nordend in der Kantstraße, Ecke Musikantenweg, Höhe Merianplatz, das von 12 bis 22 Uhr zu einem Straßenfest mit Drinks, Snacks und Livemusik lädt. „Ein außergewöhnliches Café, von Nonchalance geprägt“, schwärmt Frankfurts Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU). Ein Platz, der täglich (außer sonntags) ab 7 Uhr geöffnet ist und in dem „sich die frühen Vögel in den Zeitungen versunken gegenseitig in Ruhe lassen“, wie es Partymacherlegende Hans Romanov poetisch ausdrückt.

Die Geschichte des „Kante“ und Geschichten aus dem Café kann man nun nachlesen. In einem liebevoll gestalteten Buch im quadratischen Format; 124 Seiten über „Das Café Kante: Lieblingsplatz im Nordend“. Zwei Stammgäste hatten die Idee: Rechtsanwalt Georg Volk und Zeitungsredakteurin Maja Gerecht, beide dem Charme des Kaffeehauses verfallen. „Ein Bilderbuch mit eher kurzen Texten“, schwebte Gerecht vor. „Keine Chronik, eher ein bunter Flickenteppich, in dem alle zu Wort kommen würden: die Macher, das Personal, die Stammkunden, die Künstler.“ Erst vor einem halben Jahr wurde der Plan gefasst, die hr-Journalistin Daniella Baumeister, Fotograf Ralph Orlowski und Grafikerin Sophie Dobrigkeit mit ins Boot geholt. Gemeinsam stemmten sie das Projekt. Auch zur Freude und Überraschung der Betreiber Hagen Knaack, Hartmut Mennicke und Norbert Wolf.

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„Ich konnte das erst gar nicht ernst nehmen“, lacht der Letztgenannte „Ich komme aus der Buchbranche, für mich schien das in der kurzen Zeit eigentlich nicht machbar.“ Aber natürlich fanden er und seine Kompagnons den Einfall klasse. „Wir sehen das als unglaubliches Geschenk“, sagt Wolf. „An uns, die Gäste, das Nordend.“ Gerade jetzt, da die Gentrifizierung gewachsener Stadtviertel wie Nordend, Bornheim und Ostend diskutiert werde, sei ein „Café Kante“ quasi ein schützenswertes Soziotop. Hagen Knaack, den alle „Hacky“ nennen, empfindet sein Café „als eigentlich etwas ganz Normales“.

Genau das macht es zu etwas Besonderem. „Jeder darf hier rein, außer Faschos“ wurde Wolf einmal zitiert. „Geldadel, Hartz-IV, Künstler“ finde man in der Klientel. Das Buch, über weite Strecken in Kaffeebraun gehalten, gibt die Wärme wieder, die das Café ausstrahlt. In seiner Nostalgie wie in seiner Lebensfreude.

Das Café Kante: Lieblingsplatz im Nordend, Bilder & Geschichten, 124 Seiten, Limited Edition, Preis: 13 Euro

Quelle: op-online.de

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