„Nicht auf  Krankheiten warten“ 

Fluglärmkommission bewertet NORAH-Studie

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Lärmgegner bei einer Protestaktion am Flughafen. Die international beachtete NORAH-Lärmstudie hatte vor wenigen Wochen einerseits eine Verbesserung der Nachtruhe bei Flughafen-Anwohnern seit Einführung des Nachtflugverbots, aber gleichzeitig auch ein starkes Gefühl der Belästigung durch den Flughafen festgestellt. 

Raunheim/Frankfurt - Einen deutlich besseren Schutz der Bevölkerung vor Belastungen durch den Fluglärm hat die Kommission zur Abwehr des Fluglärms (FLK) gestern gefordert. Sie reagierte damit auf die im Oktober vorgestellte NORAH-Studie.Von Michael Eschenauer

„Im Unterschied zu den Erklärungen der Luftverkehrswirtschaft gibt es sehr wohl dringenden politischen Handlungsbedarf“, erklärte der FLK-Vorsitzende und Raunheimer Bürgermeister Thomas Jühe (SPD) in Reaktion auf die international beachtete Studie zu den gesundheitlichen Auswirkungen von Lärm und speziell Fluglärm auf die Menschen im Umfeld des Frankfurter Flughafens. Hier war ein negativer Effekt von Fluglärm bei seelischen Erkrankungen (Depressionen), Herzschwäche und Herzinfarkt belegt worden. Außerdem wurde ein Anstieg der Belästigung der Bevölkerung insbesondere durch Fluglärm und eine Verzögerung des Lesenlernens bei Grundschülern diagnostiziert. Bei hoher Belastung stieg das Brustkrebsrisiko, während die Schlafqualität sank. Gleichzeitig verbesserte sich allerdings die Schlafqualität nach Einführung des Nachtflugverbots in weniger belasteten Gebieten.

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Man dürfe, so Jühe, künftig nicht darauf warten, dass die Lärmbelastung zu Krankheiten führe, sondern müsse unbedingt vorsorgend tätig werden. Die FLK, die sich unter anderem aus Vertretern von Anliegerkommunen, Verbänden und Vertretern der Luftverkehrswirtschaft zusammensetzt und eine beratende Funktion hat, verabschiedete mit sehr großer Mehrheit einen Forderungskatalog, demzufolge der aktive Schallschutz, also die Lärmminderung an der Quelle, der Schutz vor Fluglärm und das Gebot der Lärm-Minderung im Luftverkehrsbetrieb stärker über das Luftverkehrsgesetz eingefordert werden sollen. Das Minimierungsgebot beinhaltet zum Beispiel auch die Forderung, dass Flugzeuge stets mit den modernsten Navigationsgeräten auszurüsten sind, um lärmmindernde Flugverfahren zu ermöglichen. Ferner seien Lärmobergrenzen einzuführen. Auch müssten die Lärm- und Umweltwirkungen dezidiert in einem „ganzheitlichen Luftverkehrskonzept“ Niederschlag finden. Der Schallschutz an Schulen und die Belüftung schallgedämmter Klassenräume seien essenziell und zu verbessern.

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Der Erste Stadtrat von Mörfelden-Walldorf, Franz-Rudolf Urhahn (Grüne), konstatierte, dass nach NORAH die durchschnittliche Lärmbelastung zum Beispiel während eines gesamten Tages als Bestimmungsgröße durch den Wert der nur zeitweise auftretenden Maximalbelastung ergänzt werden müsse.

Ein totales Nachtflugverbot fordert das Gremiums nicht. Stattdessen findet sich die, so Jühe, „konsensfähige Formulierung“, dass von 22 bis 6 Uhr insbesondere in dichtbesiedelten Gebieten und an lärmsensiblen Standorten die Zahl nächtlicher Flugbewegungen abzusenken und perspektivisch ganz auszuschließen sei.

Man werde, so Jühe und Urhahn, mit den Forderungen an die politisch Verantwortlichen und die Behörden herantreten und eine Umsetzung anmahnen. Ziel sei es, das Luftverkehrs- und das Lärmschutzgesetz entsprechend anzupassen. Beide betonten, dass die Diskussion trotz divergierender Interessen im Plenum sachlich verlaufen sei. Dies habe allerdings nicht dazu geführt, dass der Forderungskatalog einstimmig angenommen worden sei.

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Quelle: op-online.de

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