Nicht immer reich, aber gerne unter sich

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Adel, wie man ihn sich vorstellt: die Uniform von Fürst Albert II. von Monaco.

Friedberg ‐ Herrschen, Wirtschaften, Repräsentieren: Jahrhundertelang bestimmte der Adel das Leben der Menschen in Hessen. Wie er im Lauf der Geschichte seine Standesrechte anwendete, sich Veränderungen anpasste und welche Rolle Blaublüter heute spielen, haben Historiker erforscht. Von Carolin Eckenfels (dpa)

Ihre Ergebnisse können nun in dem Buch „Adel in Hessen - Herrschaft, Selbstverständnis und Lebensführung vom 15. bis ins 20. Jahrhundert“ nachgelesen werden. Die Historische Kommission für Hessen stellte jetzt in Friedberg ihr 640 Seiten starkes Werk vor. 28 Autoren aus Deutschland, Österreich und den Niederlanden beschreiben darin das adlige Leben im Land. „Der Adel hat als Ortsherrschaft entscheidend die Lebensverhältnisse geprägt“, betonen die Herausgeber. Beteiligt an dem Projekt waren die Universitäten Gießen, Marburg und Kassel. Ein Fazit ist laut den Herausgebern Eckart Conze, Alexander Jendorff und Heide Wunder: „Den“ Adel in Hessen gibt es nicht. Er sei schon immer eine äußerst vielfältige gesellschaftliche Gruppe gewesen.

Viele Jahrhunderte lang waren Blaublüter vor allem Orts- und Grundherren. Neben dem hohen Adel mit seinen regierenden Fürsten wie den Landgrafen von Hessen gab es viele Mitglieder des niederen Adels, die etwa als Angehörige der Reichsritterschaft im Taunus, Odenwald oder in der Wetterau lokale Macht ausübten. Davon zeugen laut der Bad Nauheimer Historikerin Heide Wunder noch heute Schlösser, Burgen oder Gartenanlagen im ländlichen Raum.

Adlige gehen den verschiedensten Berufen nach

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als das Heilige Römische Reich Deutscher Nation zusammenbrach und Napoleon Europa umgestaltete, verloren Grafen, Ritter und Co. weitgehend ihre lokalen Herrschaftsrechte. Allerdings konnten sie in vielen Feldern der Gesellschaft, in der Verwaltung oder im Militär, ihre führende Stellung bewahren. Sämtliche Standesrechte verloren die Edelleute mit der Weimarer Verfassung.

Heute spiele der Adel en gros keine Rolle mehr in Hessen. Einige Mitglieder würden allerdings eine bedeutende Stellung im wirtschaftlichen oder kulturellen Bereich einnehmen, sagt Historiker Eckart Conze (Universität Marburg). Wie viele Titelträger genau in Hessen leben, sei nicht bekannt. Adlige gingen den verschiedensten Berufen nach und seien längst nicht alle reich. Trotz aller Unterschiede entdecken die Forscher auch Gemeinsamkeiten: Adlige bleiben nach wie vor gerne unter sich und suchen sich blaublütige Ehepartner. Zudem beschäftige man sich sehr bewusst mit der eigenen Geschichte und halte die familiären Traditionen hoch.

Das Buch „Adel in Hessen - Herrschaft, Selbstverständnis und Lebensführung vom 15. bis ins 20. Jahrhundert“ ist eine Veröffentlichung der Historischen Kommission für Hessen und wurde von Eckart Conze, Alexander Jendorff und Heide Wunder herausgegeben. Preis: 39,90 Euro.

Quelle: op-online.de

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