Probleme durch Nachflugverbot: „Nicht nur jammern“

Offenbach (mic) - Vor einigen Tagen beklagten Manager von Lufthansa und Fraport ein weitverbreitetes Unverständnis in der Bevölkerung gegenüber den Erfordernissen eines Großflughafens.

Bei einer Podiumsdiskussion zum Nachtflugverbot kamen die Vertreter der Luftfahrtbranche zu der Auffassung, dass der Protest von den Medien künstlich verstärkt worden sei, und die Betroffenen die nicht selten auf falschen Angaben beruhende Lärmbelastung übersteigert wahrnehmen würden. Man stellte eine Art künstliche Hysterisierung der Öffentlichkeit seit der Eröffnung der neuen Landebahn im Oktober fest und warnte vor einer Schädigung der Drehkreuzfunktion des Flughafens.

Jetzt reagierte der Berater der Stadt Offenbach beim Thema Flughafenausbau, Dieter Faulenbach da Costa, mit harter Kritik auf diese Einschätzungen. Die Behauptung, so da Costa, das Nachtflugverbot gefährde das Drehkreuz, sei widerlegbar. So habe der Frankfurter Sommerflugplan 2007 im interkontinentalen Verkehr in der Zeit zwischen 23 bis 5 Uhr gerade mal 20 Passagierabflüge pro Woche aufgewiesen, davon 18 Abflüge ausländischer Airlines, zwei Abflüge einer deutschen Ferienfluggesellschaft und keine Landungen. Die 18 Flugzeuge hätten vier, sechs und 17 Stunden bis zum Abflug am Boden gestanden. Es könne also angenommen werden, dass die fehlenden Slots am Tage zu den Nachtabflügen geführt hätten. Durch den Ausbau seien nun genügend Startmöglichkeiten am Tage vorhanden und damit Nachtabflüge nicht erforderlich.

Nachtflugbeschränkungen als Ursache

Dass Passagiere am Boden bleiben müssten, komme vor, nicht immer seien aber Nachtflugbeschränkungen die Ursache. Dass in einem Zeitraum von 45 Tagen bei etwa 63.000 Flügen gerade mal 23 Flüge nicht hätten stattfinden können, sei „wirklich nicht dramatisch“. Die zugelassen verspäteten Flüge nach 23 Uhr hätten dagegen einen deutlich höheren Anteil erreicht. Dass Airlines für gestrandete Passagiere Zimmer reservieren gehöre zum Geschäft, so die Einschätzung Faulenbachs.

Auch beim Frachtproblem werde von der Luftverkehrswirtschaft übertrieben. Gerade einmal knapp 200 Tonnen würden pro Mediationsnacht geflogen. Die Zulieferung nach Frankfurt erfolge zu einem Drittel mit dem Lastwagen, zu einem Drittel als Beifracht und zu einem Drittel mit einem Frachtflugzeug. Die Lastwagen könnten folglich direkt einen nachts offenen Flughafen ansteuern, ebenso die Frachtflieger. Nur bei der Beifracht aus den Passagierflugzeugen sei ein Umladen auf Lastwagen und ein Weitertransport zu einem anderen Flughafen unvermeidbar. Maximal vier Lastzüge pro Nacht genügten hierfür, so Faulenbach.

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Es möge sein, so der Flughafenexperte, dass manche Reisenden lange für ihren Urlaub gespart hätten und nun Wartezeiten in Kauf nehmen müssten. Dies widerfahre ihnen aber in der Regel recht selten, zumal meist Alternativen für einen früheren Abflug bestünden. Wer aber für sein Häuschen unter der Flugschneise lange gespart habe, müsse den Lärm ein Leben lang ertragen.

Die nicht nachgewiesenen gestiegenen Kosten durch die nächtliche Flugpause seien „Peanuts“. Ihnen stünden deutlich höhere Wertminderungen der Immobilien und Kosten für passiven Schallschutz gegenüber. Dass der Flughafen wie erwähnt „in Beton gegossen“ sei und eben nicht einfach mal den Standort wechseln könne, sei kein Alleinstellungsmerkmal. 145.000 Wohnungen für 300.000 Menschen, zuzüglich der Versorgungs- und Verkehrsinfrastruktur, Arbeitsstätten, Bildungs- und Kultureinrichtungen, die größtenteils älter seien als der Flughafen, seien ebenfalls „in Beton gegossen“.

Lösungen: Langsamer oder tiefer fliegen

Für Flugzeuge, die wegen der Passatwinde zu früh in Frankfurt einträfen, gebe es einfache Lösungen: Langsamer oder tiefer fliegen. Da es nur um 15 bis 20 Minuten gehe könnten aber auch Warteschleifen helfen.

Die Mediationsnacht könne nicht Schuld an in Frankfurt gestrandeten Flugpassagieren sein, meint Faulenbach da Costa. Flüge aus China kämen zum Beispiel am frühen Morgen oder am Nachmittag an und flögen am Nachmittag oder am Abend zurück. Dass Transferpassagiere wegen fehlender Visa den Transit nicht verlassen dürften, sei weltweit ein Problem. Die Lösungsvorschläge wie Visaerteilung oder Hotel im Transit lägen auf der Hand.

„Statt stereotyp zu klagen, sollten die Herren der Lüfte Kreativität, flexibles Management und moderne Umlaufplanung als ihre Aufgabe betrachten“, rät Faulenbach da Costa.

Quelle: op-online.de

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