Durchbruch bei Wohn-Riester erzielt

Niedrigzins ist eine Belastung

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Frankfurt - Den Bausparkassen machen die niedrigen Zinsen zu schaffen. Die Zahl der Neuverträge sinkt. Von Marc Kuhn 

Die Landesbausparkasse Hessen-Thüringen (LBS) stemmt sich gegen die Folgen der mickrigen Zinsen in Europa und hat Altkunden mit lukrativen Konditionen die Verträge gekündigt. Die Niedrigzins-Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) sei eine Riesenbelastung, sagte der Sprecher der LBS-Geschäftsleitung, Marc Stober, in Frankfurt. Oftmals sind Finanzierungen für Immobilien günstiger als Angebote der Bausparkassen. „Es war noch nie so günstig zu finanzieren“, erklärte Stober. Er erinnerte daran, dass sich die Situation im Markt aber auch schnell wieder ändern könne. Deshalb verwies Stober auf den „Kernnutzen des Bausparens“: die Zinssicherung und das Ansparen von Geld für Immobilien-Finanzierungen. Das Volumen der bewilligten Bauspardarlehen ist im vergangenen Jahr bei der LBS Hessen/Thüringen aber auf 38,8 Millionen Euro nach 44,9 Millionen Euro 2013 gefallen.

Der LBS-Chef sprach derweil von einer „Schieflage im Kollektiv“ - gemeint sind die Kunden. Bausparer mit alten Verträge bekommen noch die damals üblichen hohen Zinsen. Heute zahlt die LBS aktuell nur 0,25 Prozent. Der Durchschnittszins aller Sparer liegt 2015 bei 1,83 Prozent, bis 2019 soll er auf 1,38 Prozent weiter sinken. Die hohen Konditionen aus alten Verträge machen den Bausparkassen in Deutschland zu schaffen. Deshalb habe die LBS Verträge, bei denen die vereinbarte Bausparsumme überschritten worden sei, gekündigt, berichtete Stober. Im vergangenen Jahr seien 1 700 Kunden betroffen gewesen. Stober sprach von reinen Sparverträgen, über die keine Darlehen abgerufen werden. Zudem seien 2014 rund 4 500 Bausparverträge gekündigt worden, die seit mehr als zehn Jahren zuteilungsreif seien, erläuterte Stober weiter. Etwa 600 Beschwerden von Kunden seien eingegangen. Dennoch sieht der LBS-Chef sein Haus auf der rechtlich sicheren Seite. Die Kündigungen seien „ganz sauber mit den Kunden“ geklärt worden, sagte auch Werner Hoffmann von der Geschäftsführung.

Nach Einschätzung von Stober gerät darüber hinaus die Altersvorsorge der Deutschen wegen der niedrigen Zinsen in Gefahr. Diese Politik belaste „nicht nur die Bausparbranche, sondern letztlich auch unsere Kunden und jeden anderen Sparer in Deutschland“, erklärte der Chef der Bausparkasse. „Die Auswirkungen auf die Altersvorsorge schätzen wir vorsichtig formuliert als drastisch ein.“ Nach den Worten von Stober ist das Bausparen ein wichtiger Teil der Vorsorge fürs Alter. Folglich lobte er die Verbesserungen, die das Anfang des vergangenen Jahres in Kraft getretene sogenannte Altersvorsorge-Verbesserungsgesetz gebracht hat. So können unter anderem Eigentümer, die ihre Immobilie vor 2008 erworben haben, ihr Riester-gefördertes Bauspardarlehen zur Umschuldung nutzen. Wohn-Riester sei ein Wachstumsmarkt für Bausparkassen, erklärte Stober. 2014 schloss die LBS Hessen-Thüringen mehr als 10 200 Wohn-Riester-Verträge ab, 48,6 Prozent mehr als im Jahr davor. In Hessen waren es über 7 870 Verträge, ein Zuwachs von 45,8 Prozent.

Nur teure Oldtimer lohnen als Geldanlage

Insgesamt sei das Geschäftsjahr 2014 zufriedenstellend verlaufen, berichtete Stober weiter. Allerdings ist die Zahl der neu abgeschlossen Bausparverträge um 3,2 Prozent auf knapp 96 800 gesunken. In Hessen wurden fast 69 890 Verträge unterschrieben, ein Rückgang um 4,2 Prozent. In beiden Bundesländern kommt die Bausparkasse auf einen Marktanteil von 35 Prozent. Die Bauspareinlagen kletterten in Hessen und Thüringen auf mehr als 4,1 Milliarden Euro. Stober sprach von einem deutlichen Wachstum. Das Betriebsergebnis nach Bewertung bezeichnete er als „noch zufriedenstellend“. Es war auf 8,9 Millionen Euro nach 9,8 Millionen Euro 2013 gefallen. Es wird nach den Worten von Stober 2015 unter anderem wegen der Niedrigzinsen weiter sinken. Zudem verwies er auf Regularien wie Kosten für die Einlagensicherung, für die in den nächsten zehn Jahren 19,4 Millionen Euro aufgewendet werden müssten. Darüber hinaus fallen 2016 etwa 16 Millionen Euro für Pensionsrückstellungen an.

Quelle: op-online.de

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