Nilgänse: Penetrant, biestig und nervend

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„Was guckst Du?“ Nilgänse versauen nicht nur Liegewiesen, sie sind auch aggressiv.

Frankfurt - Taubenplagen waren gestern - längst vermehren sich aggressive Nilgänse in hessischen Städten und erobern dort Liegewiesen wie Radwege. Und die Kommunen sind gegen die Invasion der Tiere völlig machtlos. Von Christian Rupp 

Es ist der Stolz der Stadt Frankfurt: das Mainufer mit seiner kilometerlangen Promenade. Tausende von Joggern, Spaziergängern und Radfahrern drehen dort ihre Runden. Menschen picknicken auf den Liegewiesen, Touristen genießen den Blick auf die Skyline. Doch die Erholungssuchenden haben Konkurrenz: die Nilgans - ein aggressiver Vogel aus Afrika, der sich zurzeit rasant ausbreitet und überall Parks und Badestrände als seine neue Heimat entdeckt. Der Sprecher des Landesjagdverbandes (LJV), Klaus Röther, schlägt Alarm: Der Bestand habe „hessenweit unglaublich zugenommen“.

„Die Stadt bietet ideale Voraussetzungen für die Nilgans“, sagt der Frankfurter Ornithologe Bernd Petri. Denn dort sei es warm, es gebe Wasser und Nahrung im Überfluss, und Teiche und Flüsse böten perfekte Brutmöglichkeiten. Der Vogelkundler des Naturschutzbundes (Nabu) Hessen hat die Tiere und deren Verhalten eingehend studiert - und hält sie für „penetrant und biestig“.

Mehr als 600 Gänse in Südhessen

In nahezu allen Parks der Stadt haben sich die großen Vögel mit den markanten Ringen um die Augen inzwischen angesiedelt. Dort hinterlassen die Tiere auf Wegen und Liegewiesen ihren Kot, gehen Jogger wütend an, laufen Radfahrern in den Weg oder verfolgen zischend kleine Kinder, die sich allzu nah herangewagt haben. „Sie haben sich deutlich ausgebreitet“, stöhnt Bernd Roser, der beim Frankfurter Grünflächenamt für den Unterhalt der Parks verantwortlich ist. „Vor allem in ländlichen Regionen machen sich die Tiere auf Tümpeln und Teichen breit“, sagt Jagdverbandssprecher Röther. Betroffen seien Flüsse wie Badeseen. Die Vogelschutzwarte in Frankfurt ging bereits im Jahr 2009 von hessenweit mehr als 700 Brutpaaren aus, inzwischen gibt es allein in Südhessen nach Nabu-Angaben mehr als 600 Gänse.

Da der aus Afrika eingewanderte Vogel aber seit 2011 in Hessen von September bis Januar bejagt werden darf, erlaubt die Zahl der erlegten Tiere Rückschlüsse auf das Gesamtvorkommen: Nach Angaben des Umweltministeriums wurden in der Jagdsaison 2013/14 landesweit 1425 Nilgänse erlegt - zwei Jahre zuvor waren es 874. Das Bundesamt für Naturschutz in Bonn führt die Nilgans sogar auf seiner Grauen Liste der „Potenziell Invasiven Arten“ - darauf stehen Tiere, die die heimische Artenvielfalt möglicherweise derart stark bedrohen, dass sie bejagt werden müssen. Doch genau das ist innerhalb geschlossener Ortschaften verboten, wie Röther erläutert.

Hierfür müssten Kommunen Ausnahmegenehmigungen erteilen - und eine solche plant zumindest die Untere Jagdbehörde in Frankfurt nicht. Denn auch wenn viele über den Dreck der Tiere schimpfen, Beschwerden habe es noch nicht genug gegeben, heißt es hier. Das könnte sich ändern. Denn längst warnen Unternehmen vor den wirtschaftlichen Schäden. Die Gärtnerei Schecker etwa, die in Oberrad die Kräuter für die Grüne Soße anbaut, klagt über massive Ernteausfälle. Auf den Feldern unweit des Mainufers hätten teilweise bis zu 100 Tiere die komplette Saat vernichtet.

Was hilft da? Die Eier aus den Nestern gegen Gipseier auszutauschen, sei schwierig, sagt Roser. Denn die intelligenten Tiere versteckten ihre Nester gut. Besser sei, die Vögel nicht zu füttern.

dpa

Quelle: op-online.de

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