Die Batschkapp in Frankfurt ist zum Club des Jahres in Deutschland gewählt worden. Der kultige Rockschuppen besteht schon seit 36 Jahren.

Von Nirvana bis heute

Aus einer Schnapsidee am Stammtisch ist die älteste Diskothek und Konzertlocation in Frankfurt geworden. Schon in den 70er Jahren eröffnete Ralf Scheffler die Batschkapp und seitdem spielen lokale, nationale und internationale Stars in dem kultigen Rockschuppen. Nach 36 Jahren Diskogeschichte ist die Batschkapp jetzt zum Club des Jahres in Deutschland gewählt worden.

Noch vor ihrem Durchbruch in der Musikbranche standen die Bands Nirvana mit Sänger Kurt Cobain und auch R.E.M. auf der kleinen Bühne der Batschkapp. „Als wir Nirvana buchten, waren sie noch völlig unbekannt. Als die erste Platte auf den Markt kam, war das Konzert sofort ausverkauft. Und zum ersten Mal versuchten die Fans mit gefälschten Karten reinzukommen“, erinnert sich Ralf Scheffler, Geschäftsführer der Batschkapp. Der 63-Jährige ist seit der ersten Stunde dabei und hat viele Bands kommen und wieder gehen gesehen. Alle Größen der Musikszene waren schon in seinem Club zu Gast: von den Toten Hosen über Lenny Kravitz bis zu den Red Hot Chili Peppers. Auch der Videoclip zu „Hier kommt die Schwester“ der Sängerin Sabrina Setlur wurde 1995, damals noch unter ihrem Pseudonym Schwester S., vor und in der Batschkapp gedreht.

Heute hat die Batschkapp – hessisch für Schiebermütze – Kultstatus. Der Preis, den Scheffler zur Eröffnung der Frankfurter Musikmesse entgegen nahm, macht ihn stolz: „Wir haben den Anschluss nicht verpasst und das macht den Erfolg aus“, sagt Scheffler.

Dabei wurde der Club am Kneipen-Stammtisch geboren. „Wir hingen rum und haben Bier getrunken“, sagt Scheffler. In der Kneipe Elfer traf er sich Mitte der 70er Jahre mit Freunden zur politischen Diskussion. „Wir dachten damals allen Ernstes, wir stürzen das System“, sagt Scheffler. Zu den regelmäßigen Besuchern zählte damals auch Ex-Politiker Joschka Fischer. Sie organisierten alle drei Wochen eine Demo gegen den Kapitalismus und wollten eine „autonome und linke Gegenkultur“ etablieren. Dann bekam er 1976 das Angebot, die Räumlichkeiten direkt neben dem Elfer zu übernehmen und sagte blauäugig zu. „Wir haben keine Ahnung vom Geschäft gehabt. Geld hatten wir auch keins, aber wir wussten, wie man Partys feiert.“ Also veranstaltete Scheffler einmal in der Woche einen Diskoabend und auch Theatertanzgruppen aus London oder Hamburg traten auf. Dann holte er unbekannte Bands aus Frankfurt und Umgebung auf die Bühne. „Die erste Band hieß Octopus und der Gitarrist bekam direkt einen Stromschlag und musste ins Krankenhaus gefahren werden – die Musikanlage war miserabel“, erzählt der Geschäftsführer.

Auch heute noch ist die Batschkapp klein, dunkel und verranzt. Die Fassade ist besprüht, hier und da bröckelt die Farbe. Doch bis Ende des Jahres soll der Club in eine alte Fabrikhalle im Riederwald umziehen. „Ich hoffe der Charme geht nicht verloren“, sagt der 63-Jährige. Denn genau dieser ziehe schon seit Jahrzehnten die jungen Generationen an.

Der entscheidende Durchbruch kam 1982. Eine Welle neuer Bands und Musikrichtungen wie Punk Rock oder New Wave schwappte nach Deutschland. Scheffler wollte das Neuste auf dem Markt präsentieren: „Wir waren die einzigen in Frankfurt, die den neuen Musikern eine Bühne gegeben haben.“

Auch heute noch steht der Club für große Künstler und Nachwuchs-Rocker, die in intimer Atmosphäre spielen. Musikalisch ist alles erlaubt – „nur Schlager wird es hier nie geben.“ A. PÖPPEL

Quelle: op-online.de

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