No Angels rocken zu dritt

Frankfurt - Ein Herz mit den Fingern formt ein Fan und streckt es Sandy, Lucy und Jessica, die wenige Meter entfernt auf Barhockern der Bühne des Frankfurter Velvet Clubs singen, entgegen. Von Kathrin Rosendorff

Irgendwie hat man geglaubt, dass die No Angels-Fans ausgestorben seien. Aber viele sind noch da, sind immun geblieben gegen den Wahn um den überschminkten Tokio-Hotel-Bill oder der Zuckermaus Miley Cyrus alias Hannah Montana.

Und auch nach all den Schlagzeilen über Nadja Benaissa, die in letzter Minute aus gesundheitlichen Gründen absagte und angeklagt ist, weil sie einen Mann mit HIV infiziert haben soll, sangen die drei No Angels im Frankfurter Velvet Club zu dritt ihr Akustik-Konzert.

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Ohne Nadja das Velvet gerockt

300 No Angels-Fans sind am Dienstagabend aus der ganzen Republik nach Frankfurt gereist. Zum Clubabend „An intimate evening with...“ mit den No Angels. Vier Stunden vor Konzertbeginn stehen mehr Teenies als Ü-40 Fans vor dem Velvet Club, unweit des Willy-Brandt-Platzes. Manni (21) aus Ingolstadt und Marlies (19) aus Usingen haben sich sogar eine Woche Urlaub genommen, nur um bei allen Konzerten der No Angels-Clubtour diese Woche in München, Frankfurt, Köln, Berlin und Hamburg mitzufeiern. Sie sind Mitglieder der Fanseite "no angels-inside" und stehen ganz vorn in der Ansteh-Reihe. 

Auf dem Konzertplakat ist noch Nadja drauf.

Auf die Frage, warum sie No Angels-Fans seien, antwortet Manni: „Deswegen. Als sie groß wurden waren wir noch sehr jung. Und außerdem sind sie immer noch die beste Castingband, die es gibt.“ Dann singt er mit seinen No-Angels-Buddys „I wanna be Daylight in your eyes.“
Das ist auch das erste Lied  des zweistündigen Abends. Und es war das erste Lied, das die erste deutsche Castingband sang und damit gleich die Nummer-Eins Platzierung der Popcharts für sich klar machte. Die No Angels waren mal richtig angesagt: Über fünf Millionen verkaufte Alben und 50 Millionen Euro Umsatz sollen sie gemacht haben. Von 2000 bis 2003 war ihre Zeit. Dann trennten sie sich. Bei ihrem Comeback 2007 kam das fünfte Mitglied, Vanessa Petruo, nicht mehr zurück. 

„Wir singen für euch aus zehn Jahren Band-Historie“, verkündet Lucy. Und so rocken sie sich durch fünf Alben: Von „There must be an Angel“ bis zum altuellen Hit „One Life“ aus ihrem Album „Welcome to the Dance“. Das sie auch ohne Verstärker singen können, beweisen sie mit schönen Stimmen und viel Energie auch Nicht-Fans. Als vierte Stimme haben sie sich Colin Rich von „Kool and The Gang“ geschnappt, der Nadja teilweise ersetzte.

Lucy sang im Pimp-Look.

Auf der kleinen Bühne ist nicht viel Platz für große Moves. Und so tanzen sie so sexy wie es im engen Club möglich ist. Auch gibt es kein ständiges Umgeziehe wie bei einer Rihanna: Lucy trägt - wie Sandy vor der Show sagt - den „Pimp-Look“: Chucks und Jeans, weites Shirt und Schal. „Jesse und ich sind halt die Ladies“, sagt die 29-Jährige und lacht. Die junge Mama trägt den (wieder) angesagten Bauchfrei-Style und dass sie schon Mama ist, sieht man ihrem Bauch nicht an.
Kollegin Jessica hat Pailletten auf der Jeans und trägt High-Heels. Jessica sagt, dass sie Nadja natürlich auf der Bühne vermissen.  Und klar sei es stressig gewesen, so kurzfristig ohne Nadja aufzutreten. Aber „the show must go on“. Sandy versteht nicht, warum es jetzt all die Spekulationen rund um Nadja dazu führen, dass sich viele fragen, ob es die No Angels noch lange geben wird. „Wir bestimmen, wie lange es uns noch gibt“, sagt Sandy. Und Manni glaubt fest daran. „Über ein Ende der No Angels denke ich erst gar nicht nach.“

Quelle: op-online.de

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