In den noblen Villen brodelt es

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Reich oder arm - der Fluglärm trifft alle. Selbst auf dem Lerchesberg ist die Ruhe dahin.

Frankfurt - Keine Protestplakate, kein Mensch auf der Straße - aber ruhig ist es auf dem Frankfurter Lerchesberg auch nicht mehr. Im Minutentakt donnern Flugzeuge im Landeanflug auf den Frankfurter Flughafen über eines der exklusivsten Villenviertel der Stadt. Von Sabine Ränsch (dpa)

Hier dominieren Doppelgaragen, Gitter vor den Fenstern und Terrassentüren, Alarmanlagen. Hohe Hecken und Mauern versperren den Blick in viele Anwesen. Südlich grenzt das Viertel an den Frankfurter Stadtwald. Von oben hat man einen weiten Blick über die Skyline im Norden.

„Es ist unerträglich“, sagt ein alter Herr, der seinen Hund ausführt. Schon immer seien die Flieger ziemlich laut gewesen, wenn sie die alte, südliche Landebahn ansteuerten. Aber jetzt, nach der Eröffnung der Nordwestbahn im Oktober, fliegen sie einige hundert Meter weiter nördlich und direkt über die Köpfe der Lerchesberger.

Eigentümer beklagen Werteverfall ihrer Grundstücke

Draußen auf der Straße deutet - anders als in anderen schwer betroffenen Wohnvierteln - nichts auf laute Proteste hin, aber drinnen brodelt es. Eigentümer sehen einen massiven Werteverfall ihrer Grundstücke und den Verlust ihrer Wohnqualität. Sie haben sich in einer Initiative „Stop Fluglärm“ zusammengeschlossen. Gemeinsam wollen sie prüfen, wie sie gegen den Lärm vorgehen können. Viel Hoffnung, dass sie mit Entschädigung für die Wertminderung rechnen können, haben sie nicht. Aber sie sind entschlossen, alles zu tun, um die Schließung der Bahn zu erreichen oder zumindest die Verlagerung der Flugrouten.

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Stadtgespräch

Die evangelische Dreikönigsgemeinde ganz in der Nähe hat als Ausdruck ihres Protests zu Neujahr ein Bibelzitat aus dem Buch der Klagelieder am Turm ihrer Bergkirche angebracht: „Wenn wir auch müde sind, lässt man uns keine Ruhe.“ Dieses Zitat solle auf die unerträgliche Belastung hinweisen und den Wunsch nach Ruhe und Rücksicht auf die Menschen in der Region ausdrücken, sagt Pfarrerin Silke Alves-Christe. „Auf dem Sachsenhäuser Berg fühlen sich zahlreiche Menschen in ihrem Haus nicht mehr Zuhause“, zitiert die Frankfurter Evangelische Kirche die Pfarrerin. Die Folgen für spielende Kinder seien gar nicht abzusehen. Stille für Trauernde gebe es auch nicht mehr: „Bei Beerdigungen auf dem Südfriedhof verschluckt das Dröhnen der Motoren die Segensworte und Gebete an den Gräbern.“

Frankfurter Vorzeigeviertel leidet

Am höchsten Punkt des Lerchesbergs, am Bischofsweg, entstehen gerade zwei Häuser mit Luxuswohnungen. „The Green Hill“ bietet drei Einheiten „mit sehr großem Garten und Terrassenflächen“, wie die Werbetafel beschreibt. Direkt nebenan sind „drei einzigartige Eigentumswohnungen in Kürze bezugsfertig“. Bei einer Besichtigung der Baustelle muss jedem Interessenten sofort klar werden, dass Garten und Terrassen im Sommer kaum benutzbar sein werden - höchstens mit Ohrstöpseln.

Schon Monate vor der Eröffnung der Landebahn hatte sich diese Entwicklung abgezeichnet. Der Immobilien-Kompass des Wirtschaftsmagazins „capital“ beobachtete Auswirkungen auf den Grundstücksmarkt: „Ehemals Frankfurts Vorzeigevillenviertel, leidet der Lerchesberg darunter, dass er in der Einflugschneise des Flughafens liegt. Die Preise in der Villenkolonie purzeln in Erwartung des Flughafenausbaus“, hieß es dort im Mai 2011.

Quelle: op-online.de

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