Oldtimer-Versteigerung in der Klassikstadt Frankfurt / Manches Stück kostet ab 2000 Euro

Nostalgie für Jedermann

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Oldtimer unterm Hammer: Hunderte Besucher sind zur Herbstauktion in die Klassikstadt nach Frankfurt gekommen.

Frankfurt - Der Auktionator atmet tief ein. Sein Blick wandert langsam durch den Saal. Er will etwas Zeit gewinnen. Gemurmel aus dem Publikum. Es ist der neunte Wagen, der vorgestellt wird. Nur für einen gab es bisher ein Angebot. Von Domenico Sciurti

„5000 Euro. Wer bietet 5000 Euro?“, hallt es durch den Raum. Immer noch geht kein Schild in die Höhe. „Die Herzen aller Damen fliegen Ihnen mit diesem Wagen zu“, wirbt der Moderator. Seine Stimme klingt etwas verzweifelt.

Ein paar Minuten später wird der kleine, knallrote Fiat 500 L aus dem Jahr 1972 doch noch verkauft. Der Italiener bricht auf diese Weise das Eis und bringt die Herbstauktion in der „Klassikstadt“, dem Oldtimer-Zentrum an der Orber Straße in Frankfurt-Fechenheim, zum Laufen. Beim folgenden Alfa Romeo Spider gehen gleich fünf Schilder auf einmal hoch.

Mehr Besucher als erwartet

Schon vor dem Start der Auktion drängen sich die Besucher bis in die letzte Ecke des Forums. Weit mehr sind gekommen, als es die Veranstalter erwartet haben. „Unsere kühnsten Träume sind in Erfüllung gegangen“, sagt Centermanager Marco Wimmer bei seiner Eröffnungsrede. Es ist die erste Auktion, die in der Klassikstadt stattfindet. Jeweils eine zum Start und zum Ende der Oldtimer-Saison, also im Frühling und im Herbst, sind von nun an geplant. Die mehreren hundert Gäste an diesem Abend könnten ein Vorzeichen des Erfolgs für dieses Vorhaben sein.

Der Horch 930V aus dem Jahr 1937 ist der letzte seiner Art.

Laut Wimmer gibt es deutschlandweit nur etwa fünf bis sechs Oldtimerwagen-Auktionen im Jahr. Der Verkauf sei eher schleppend. Um mehr Vertrauen zu schaffen, haben die Verantwortlichen der Klassikstadt zusammen mit ihrem Partner, dem Auktionshaus „Die Auktionsprofis“, ein neues Konzept eingeführt, das potenziellen Käufern mehr Transparenz bietet: Im Vorfeld der Verkaufsaktion konnten Interessierte die mehr als 50 Wagen auf dem 16 000 Quadratmeter großen Gelände besichtigen und dank Hebebühne sogar rundum prüfen. Zudem beäugte ein Vertreter des TÜV-Rheinland die Gefährte. Wimmer: „Üblicherweise kauft man bei Auktionen die Katze im Sack.“ Das soll in Frankfurt nicht passieren.

Nicht nur was für reiche Menschen

Im Rhein-Main-Gebiet sei die Kaufkraft sehr gut, erklärt der Centermanager. Viele Oldtimer seien auf den Straßen unterwegs. Die Nostalgiewagen seien aber nicht nur was für reiche Menschen, bekräftigt Wimmer. So gibt es auch bei der Herbstauktion teure und nicht so teure Wagen: Die Preisspanne geht von 2000 bis zu über eine halbe Million Euro. Dennoch sind viele der Gäste nur zum Schauen gekommen. Nur etwa 100 haben sich zum Bieten registrieren lassen.

Nicht nur Autos versteigert: BMW R25 mit Duna Seitenwagen.

Joachim Sticksel bestaunt den weißen Lederüberzug der Sitzbank eines Horch 930V Gläser Spezial Roadster. „Der ist top gepflegt“, weiß der Oldtimer-Fan. „Ist sein Geld ganz sicher wert.“ Der Wagen von 1937 soll der letzte seiner Art sein, heißt es in der Broschüre. Er ist das teuerste Stück des Abends.

Sticksel ist Oldtimer-Liebhaber, seitdem ihn sein Vater bei einer Rallye zum Navigator gemacht hat. Zur Auktion ist er nur als Zuschauer gekommen. Der 43-Jährige fährt einen 1954er Peugeot 203. „Einen Oldtimer fährt man nicht, um anzukommen“, erklärt er. „Beim Oldtimer ist der Weg das Ziel.“

Quelle: op-online.de

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