Kommentar: Note ungenügend

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Peter Schulte-Holtey

Der blanke Schüler-Horror: Aufgaben, die kein Mensch versteht oder für die es keine Lösung gibt. Übers Wochenende wurde im Kultusministerium nachgedacht. Von Peter Schulte-Holtey

Gestern präsentierte Ressortchefin Dorothea Henzler die gute Nachricht: Die von der Mathe-Panne beim Landesabitur betroffenen Schüler dürfen die Prüfung auf Wunsch doch wiederholen. Am bitteren Nachgeschmack hat dies nichts geändert.

Das Abitur 2009 steht in Hessen unter keinem guten Stern. Vor allem werfen die Fehler viele Fragen auf, die von Henzler bislang nicht beantwortet wurden: Wie kann es bitte passieren, dass falsche Variablen und Vorzeichen in Prüfungsaufgaben auftauchen, die angeblich mehrmals durchgerechnet und von mehreren Experten geprüft wurden? Das kann und darf einfach nicht passieren. Kerstin Geis, Vorsitzende des Landeselternbeirates, bringt es auf den Punkt: „Es ist nicht akzeptabel, dass Schüler in Prüfungssituationen mit solchen Turbulenzen konfrontiert werden.“ Die Vorbereitung des Zentralabiturs verdient nur die Note ungenügend.

SPD-Bildungspolitikerin Heike Habermann will jetzt das Instrument „zentrale Aufgabenstellung“ grundsätzlich hinterfragen. Es stimmt ja: Wenn es ein Problem gibt, dann liegt es nicht in einer, sondern in fast allen Schulen auf dem Tisch - zuverlässig sorgt das Zentralabitur für eine bestmögliche Fehlerverbreitung. Auf viel Resonanz wird Habermann aber nicht stoßen. Denn die Vorteile des Zentralabiturs sind nahezu unbestritten: Die zentralen Prüfungen sollen bessere Vergleichbarkeit der Schülerleistungen und mehr Prüfungsgerechtigkeit schaffen. Würden die einzelnen Schulen die Aufgaben stellen, wäre eine intensivere und damit möglicherweise unfaire Vorbereitung möglich.

Um Fehler bei künftigen Abiturjahrgängen zu vermeiden, wurde in Nordrhein-Westfalen ein hochkarätig besetzter Sachverständigenrat eingerichtet, der Prüfungsausgaben noch sorgfältiger auswählen und kontrollieren soll. Die Landesregierung sollte aus den Erfahrungen dieser Einrichtung lernen.

Quelle: op-online.de

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