Notfall in Hessen: Ärzteverband will eigene Praxen

Offenbach (psh) ‐ Der Hausarzt ist ein „Auslaufmodell“: In Hessen klaffen in großen Bereichen Lücken bei der medizinischen Versorgung. Auch in und um Offenbach wird nach Lösungen gesucht. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) in Hessen denkt jetzt an die Gründung eigener Praxen.

Nach Ansicht von Gesundheitsminister Jürgen Banzer ist die bundesweit geltende Richtlinie zur Bedarfsplanung schuld an der teils schlechten Versorgung in Hessen. Regionale Unterschiede blieben darin unbeachtet. Die Planung gehe an den Bedürfnissen der Menschen vorbei. In den Städten gebe es ein Überangebot von Ärzten, auf dem Land zu wenige. Es sei die wichtigste Herausforderung für die Gesundheitspolitik, die medizinische Versorgung in den ländlichen Regionen sicherzustellen. Arbeitsbedingungen für Ärzte müssten verbessert und Existenzgründungen gefördert werden, so Banzer.

Lesen Sie hierzu auch: „Neue Ärzte braucht das Land.“

Händeringend suchen jetzt Verbände und das Ministerium in Wiesbaden in einer Arbeitsgruppe nach einer wirksamen Therapie. KV-Sprecher Karl Roth auf Anfrage unserer Zeitung: „Insgesamt wird sich die Versorgung flexibilisieren müssen. Das bedeutet für uns auch, dass wir zum Beispiel verstärkt Zweit-Praxisgenehmigungen erteilen. Das kann mittelfristig auch bedeuten, dass wir eigene Praxen betreiben - so wie das in einigen anderen Bundesländern bereits praktiziert wird.“ Roth appelliert zudem an Kommunen, durch Anreize - steuerlich oder durch mietfreie Räume - die Ansiedlung von Praxen zu fördern.Über Vergütungszuschläge und Investitionsförderung  könne man sprechen, sagt Rolf-Ulrich Schlenker, Vizechef der Kasse Barmer GEK: „Aber auch von der Ärzteschaft erwarten wir solidarisches Entgegenkommen.“

Quelle: op-online.de

Kommentare