Nothilfe ist die wichtigste Aufgabe

Innenminister Volker Bouffier

Frankfurt ‐ Es war eine flammende Rede für die Feuerwehr, die Hessens Innenminister Volker Bouffier kürzlich zur Verleihung des ersten Hessischen Feuerwehrpreises gehalten hat. Ausgelobt von der Sparda-Bank Hessen wurden damit Wehren ausgezeichnet, die besonders gute Ideen zur Nachwuchsgewinnung hatten. Bouffier nutzte diesen Anlass, um deutlich zu machen, wie wichtig der freiwillige Brandschutz in Hessen ist. Von Claudia Bechthold

Die wichtigste Aufgabe einer Gesellschaft überhaupt sei es, sagte Bouffier, Menschen in Not zu helfen. Qualifizierte Hilfe in der Not zu leisten, sei dabei die Kernaufgabe. Und eben diese Kernaufgabe werde in Hessen zu 98 Prozent von Ehrenamtlichen ausgeübt. „Die meisten Menschen machen sich darüber keine Gedanken, wissen dies gar nicht“, meinte der Innenminister.

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Nun habe man das Glück und die Besonderheit, dass genau dieses freiwillige Engagement auch Spaß mache. Dennoch sinke die Zahl der freiwilligen Feuerwehrleute stetig. „Wir müssen erkennen, wenn nicht genug getan wird, dann macht bald der Letzte das Licht aus.“ Derzeit gebe es in Hessen etwa 2500 Freiwillige Feuerwehren mit mehr als 70.000 freiwilligen Feuerwehrleuten. Schon jetzt könne man sicher sagen, dass es in zehn Jahren in einigen Gemeinden keine jungen Leute in den Feuerwehren mehr geben werde. Die Gefahrenabwehr, zu der der Brandschutz ja gehört, müsse aber aufrechterhalten werden. „Die Nachwuchsgewinnung für die Feuerwehren ist kein Selbstzweck, es ist eine Aufgabe für die gesamte Gesellschaft.“ Aber: Ehrenamtlichkeit könne man nicht anordnen.

Brandschutz früher eine Bürgerbewegung

Der Brandschutz sei früher eine Bürgerbewegung gewesen. Und viele seien zur Feuerwehr oder auch zum Rettungsdienst gegangen, weil es in der Familie immer schon so üblich gewesen sei. Doch auf diese Tradition könne man heute nicht mehr bauen. Zumal sich Familie zunehmend atomisiere.

Bouffier sprach in diesem Zusammenhang auch ein Thema an, das bislang noch vorsichtig diskutiert wird: „In 15 bis 20 Jahren wird die Mehrzahl der Bevölkerung aus Migrantenfamilien stammen, die angestammte Bevölkerung in der Minderheit sein. Aber in jenen Ländern, aus denen diese Familien kamen, gibt es das System Freiwillige Feuerwehr nicht. Sie kennen es gar nicht. Wir müssen überlegen, wie wir diese Menschen erreichen können, die vielleicht Interesse haben könnten an einem ehrenamtlichen Engagement in der Feuerwehr.“

Der Brandschutz sei eine Aufgabe, die sich von anderen dadurch unterscheide, dass sie häufig mit höchstem persönlichen Einsatz und immer wieder auch erheblichen Risiken verbunden sei, betonte der Innenminister und fügte hinzu: „Das kann man nicht hoch genug schätzen.“

Der Hessische Feuerwehrpreis ging an die Freiwillige Feuerwehr Frankfurt-Rödelheim, der es gelungen ist, „Wahlpflicht unterricht Feuerwehr“ an einer Schule zu initiieren.

Quelle: op-online.de

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