Mehr Flüchtlinge in Hessen

Notquartiere und Hilfsbereitschaft gefragt

Frankfurt - 2014 suchten so viele Menschen wie lange nicht in Hessen Schutz. Auch im neuen Jahr werden Tausende kommen. Mehr Betten bereitzustellen, reicht aus Sicht des Flüchtlingsrates nicht aus. Von Carolin Eckenfels 

Notunterkünfte, Zelte und große Hilfsbereitschaft: Die Situation der vielen Flüchtlinge und deren Unterbringung gehörten im vergangenen Jahr zu den großen Themen in Hessen. Auch für dieses Jahr erwartet das Sozialministerium wieder Tausende Menschen, die hier Asyl beantragen. Gerechnet wird mit 20.000 neuen Flüchtlingen. Für 2014 war man zuletzt von 17. 000 neuen Asylsuchenden, die in dem Bundesland bleiben würden, ausgegangen. Entsprechend voll waren und sind die Unterkünfte.

„Wir haben so eine Art Mangelverwaltung“, sagt der Geschäftsführer des hessischen Flüchtlingsrates, Timmo Scherenberg. Er fordert vom Bund viel mehr Personal, um die Asylanträge schneller zu bearbeiten, und vom Land mehr und vor allem kleinere Erstaufnahmeeinrichtungen.

Ungewöhnliche Unterkünfte wie Container

Hessens Erstaufnahmeeinrichtung ist die erste Anlaufstation für Flüchtlinge. Das „Stammhaus“ steht in Gießen in der Nähe des Bahnhofs, außerdem gibt es Außenstellen am Stadtrand, eine in Bad Arolsen und eine in Kirchheim - angesichts der steigenden Flüchtlingszahlen mietete das Regierungspräsidium Gießen mehrfach zusätzliche Gebäude an. Dennoch war man zeitweise auf Zelte angewiesen. Die Kapazitäten sind nach Angaben von Regierungspräsident Lars Witteck (CDU) in den vergangenen zwei Jahren versiebenfacht worden. Derzeit gibt es bei maximal 4150 Plätze. Ab Ende August 2015 soll auf einem ehemaligen Kasernengelände eine weitere Außenstelle mit Platz für mindestens 500 Menschen eröffnet werden. Weitere Übergangslösungen sind geplant.

Auch die Kommunen müssen sich Gedanken machen, wie sie die vielen Flüchtlinge unterbringen. Einige nutzen ungewöhnliche Unterkünfte und quartieren die Menschen in Containern ein, in ehemaligen Pflegeheimen oder umgebauten Polizeirevieren. Manche Flüchtlinge können auch in Privatwohnungen oder Wohnhäuser ziehen. Es gebe vor Ort durchaus tolle Konzepte und Bemühungen, die Menschen gleich zu integrieren, sagt Scherenberg vom Flüchtlingsrat. Auf der anderen Seite gebe es aber auch Negativbeispiele - die Unterbringung in Massenunterkünften etwa. „Die Flüchtlingszahlen werden nicht schlagartig runtergehen, und solche schlechten Konzepte haben dann Bestand“, fürchtet er. Es sei nicht nur für die Menschen besser, diese in Wohnungen unterzubringen, sondern auch günstiger.

Kreise wie Kommunen forderten im vergangenen Jahr mehr Geld vom Land für die Unterbringung und Betreuung der Asylbewerber. Einige kleine Städte und Gemeinden sahen sich sogar überfordert und zogen vor Gericht. Das Land kündigte an, den Kommunen mehr Geld zu zahlen und die Pauschale für Asylbewerber Anfang des Jahres um 15 Prozent zu erhöhen. Nach Ansicht vieler Kommunen reicht das aber nicht.

Hilfsbereitschaft gibt es überall in der Bevölkerung, wie Scherenberg immer wieder beobachten konnte. „Es gibt viele neue Initiativen und Ehrenamtliche, die ihr Möglichstes versuchen, den Flüchtlingen ein neues Zuhause zu geben.“ (dpa)

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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