Bouffier untersagte Befragung

Rechte V-Leute und der NSU-Mord in Kassel

Wiesbaden - Der NSU-Ausschuss des hessischen Landtags hat für das kommende Jahr 17 Termine angesetzt.

Nach der Vernehmung von Zeugen aus der Spitze des Verfassungsschutzes im Dezember sollen im Februar auch erstmals ehemalige V-Leute aus der rechten Szene befragt werden. Dies geht aus der Liste der geladenen Zeugen hervor. In Kassel war am 6. April 2006 der deutsch-türkische Internetcafé-Besitzer Halit Yozgat erschossen worden. Am Tatort war damals auch der Verfassungsschützer Andreas Temme. Nach eigenen Angaben surfte er privat im Internet, von der Tat habe er nichts bemerkt. Die Ermittlungen wurden später eingestellt.

Der Fall bleibt jedoch rätselhaft. Verfassungsschutz und Polizei wird bei den Ermittlungen mangelnde Kooperation angelastet. Die Polizei wollte damals auch die von Temme geführten V-Leute direkt befragen. Darunter war auch einer aus der Neonazi-Szene. Er soll jetzt vom Ausschuss am 1. Februar gehört werden. Auf Antrag des Verfassungsschutzes hatte 2006 der damalige Innenminister Volker Bouffier (CDU) die direkte Vernehmung der V-Leute durch die Kripo untersagt.

Alles zum NSU-Untersuchungsausschuss

Andreas Temme, einst Postbeamter in Hofgeismar, wechselte 1994 zum hessischen Landesamt für Verfassungsschutz. Bis 1998 arbeitete er in der Observation. Dann führte er in Kassel fünf Informanten aus den Bereichen Islamismus und Ausländerextremismus und einen V-Mann im rechten Milieu. Am 6. April 2006 war Temme in dem Internet-Café, in dem mutmaßlich die Rechtsterroristen des Nationalsozialistische Untergrunds (NSU) den Deutschtürken Halit Yozgat töteten. Ob er während der Schüsse dort war oder wenige Sekunden vorher das Lokal verließ, lässt sich nicht endgültig klären.

Temme hat stets beteuert, er habe nichts von den Schüssen bemerkt. Er meldete sich jedoch damals nicht bei der Polizei und wurde erst zwei Wochen später ausfindig gemacht. Er stand dann zeitweise unter Mordverdacht. Fundstücke belegen, dass sich Temme zumindest in der Jugend für rechtes Gedankengut interessiert haben muss. Als Mitglied in Schützenvereinen ist er ein geübter Schütze. Seit seiner Suspendierung als Verfassungsschützer arbeitet der verheiratete Temme im Regierungspräsidium Kassel. (dpa)

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Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © dpa

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