Verwicklung eines V-Mannes

„NSU-Mord“ in Kassel wird neu aufgerollt

Internet-Café in Kassel, in dem der Betreiber Halit Yozgat vom NSU ermordet wurde.

Kassel/München - Im Münchner NSU-Prozess wird der Mord an dem Betreiber eines Internetcafés in Kassel noch einmal aufgerollt. Das Gericht hat mehrere Mitarbeiter des hessischen Verfassungsschutzes als Zeugen geladen. Sie sollen im Juni vernommen werden.

Unter ihnen ist der frühere V-Mann-Führer Andreas T. Er hatte sich zur Tatzeit in dem Internetcafé aufgehalten. Das Gericht verschickte gestern eine entsprechende Verfügung an die Prozessbeteiligten. Der Mord ereignete sich am 6. April 2006. Es war der neunte Mord der „Ceska-Serie“, für die die Bundesanwaltschaft die verstorbenen mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt als Täter verantwortlich macht. Beate Zschäpe ist als Mittäterin im NSU-Prozess angeklagt. Der Verfassungsschutz-Beamte T. hatte ausgesagt, dass er nur zufällig am Tatort gewesen sei und in einem Hinterzimmer an einem Computer privat gechattet habe. Den Mord will er nicht bemerkt haben.

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Jetzt will das Gericht der Frage nachgehen, ob T. eine Plastiktüte bei sich hatte, „die einen schweren Gegenstand enthalten haben soll“. Das soll laut Prozessakte ein Kunde des Internetcafés der Kripo gesagt und nahegelegt haben, es könne sich um eine Waffe gehandelt haben. Das Gericht will T. und mehrere Mitarbeiter des hessischen Verfassungsschutzes außerdem nach Telefonaten befragen, die sie nach dem Mord führten. Auch die Ehefrau von T. ist geladen. (dpa)

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Quelle: op-online.de

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