NSU-Skandal in Hessen

Entlassener Polizeichef: "Kann mich nicht mehr erinnern"

Ex-Polizeichef Nedela vor NSU-Ausschuss
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Ex-Polizeichef Nedela vor dem NSU-Ausschuss

Wiesbaden - Nach seiner Versetzung in den einstweiligen Ruhestand krempelt Norbert Nedela sein Leben um, schließt mit der Polizei ab und begibt sich auf eine Weltumsegelung. "Ich kann mich nicht mehr erinnern", ist die häufigste Antwort des früheren Landespolizeipräsidenten als Zeuge im NSU-Untersuchungsausschuss.

Bei der Aufklärung des Mordes an dem deutsch-türkischen Internetcafé-Betreiber Halit Yozgat in Kassel hat es nach Angaben von Ex-Landespolizeipräsident Norbert Nedela Probleme mit dem Verfassungsschutz gegeben. Im NSU-Untersuchungsausschuss des hessischen Landtags sagte der 65-Jährige am Mittwoch in Wiesbaden, Kollegen hätten ihm immer wieder von einer schwierigen Zusammenarbeit zwischen Polizei und der Sicherheitsbehörde berichtet.

An die konkrete Ermittlungsarbeit sowie Gespräche und Unterrichtungen des Innenministeriums oder Parlaments könne er sich aber elf Jahre nach der Tat nicht mehr erinnern, berichtete Nedela. Er habe nach seiner Versetzung in den einstweiligen Ruhestand alle seine persönlichen Unterlagen und Notizen vernichtet. "Ich habe alles in den Reißwolf geben lassen, weil ich mit dem Kapitel meines Lebens bei der Polizei abschließen wollte", sagte Nedela. "Ich besitze nichts mehr aus diesen vier Jahrzehnten." Deswegen habe er sich auch nicht auf die Aussage im Untersuchungsausschuss vorbereiten können.

Alles zum hessischen NSU-Skandal

Nedela war nach 40 Jahren im Polizeidienst 2010 vom damaligen Innenminister Boris Rhein (CDU) entlassen worden. Als Grund wurden Differenzen in Fragen der Polizeiführung genannt. Zuletzt hatte sich der frühere Landespolizeipräsident auf einer Weltumsegelung befunden. Für seine Zeugenvernehmung vor dem Untersuchungsausschuss musste er extra eingeflogen werden.

Das Landtagsgremium beleuchtet die Ermittlungen nach dem Mord an Yozgat im Jahr 2006 in Kassel kritisch. Kernfrage ist, ob in hessischen Sicherheitsbehörden Fehler gemacht wurden. Die Tat wird dem Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) zugerechnet, dessen Mordserie 2011 aufflog. Der Mord in Kassel fällt in die Amtszeit Nedelas. In dem Internetcafé hatte sich auch kurz vor oder während der Ermordung von Halit Yozgat der damalige Verfassungsschützer Andreas Temme befunden. Dieser stand kurzfristig unter Verdacht. Nach eigenen Angaben war Temme aber aus privaten Gründen vor Ort und bekam von dem Mord angeblich nichts mit. (dpa)

NSU-Ausschuss: Bilder zum Skandal

NSU-Ausschuss in Hessen: Bilder zum Skandal
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