OB-Wahl in Wiesbaden: Unerwarteter SPD-Erfolg

OB-Wahl: Signal für September

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Lass’ es raus: Der neue Oberbürgermeister von Wiesbaden, der SPD-Kandidat Sven Gerich, freut sich über seinen Wahlsieg.

Wiesbaden - Nach der sensationellen Abwahl von Wiesbadens CDU-Oberbürgermeister Helmut Müller sehen sich SPD und Grüne für die Landtagswahl im September gestärkt. Von Thomas Maier

„Wir wissen, dass das auch ein rot-grünes Signal ist“, sagte am Montag der hessische SPD-Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel zum Wahlsieg seines jungen Parteigenossen Sven Gerich. Die Wiesbadener Grünen hatten nach dem ersten Wahlgang ihren Anhängern empfohlen, für den 38-Jährigen zu stimmen.

Am Sonntag gewann Gerich die Stichwahl mit 50,8 Prozent. Amtsinhaber Helmut Müller, der noch vor wenigen Wochen als der große Favorit galt, erhielt 49,2 Prozent. Im ersten Wahlgang hatte der 60-jährige Müller noch rund zehn Prozentpunkte vor Gerich gelegen. Die Grünen-Kandidatin hatte damals 9,3 Prozent erhalten. In der Stadt Wiesbaden regiert die als liberal geltende CDU mit der SPD zusammen.

Die SPD habe auf die richtigen Themen wie gute Kinderbetreuung und bezahlbaren Wohnraum gesetzt. „Es ist die Rückbesinnung auf unsere ureigensten Stärken wie soziale Gerechtigkeit“, sagte Landeschef Schäfer-Gümbel. Die CDU habe dagegen ganz offensichtlich in den Städten den Anschluss an die gesellschaftliche Mitte verloren.

Da die Landes-CDU unmodern und rückständig sei, werde sogar ein solide regierender Mann wie Wiesbadens OB Müller nicht mehr wiedergewählt, meinten die hessischen Grünen. „Steht Hessen-CDU hinter den Namen eines Bewerbers, kann er in hessischen Städten nicht mehr gewinnen“, erklärte der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Fraktion, Mathias Wagner.

In Frankfurt hatte vor einem Jahr Innenminister Boris Rhein als OB-Kandidat der CDU gegen den damals kaum bekannten SPD-Mann Peter Feldmann verloren. Wie schon damals will auch jetzt die Hessen-CDU das Ergebnis der OB-Wahl nicht überbewertet wissen. „Wir müssen wieder themenbezogener auftreten“, heißt das Fazit von CDU-Landtagsfraktionschef Christean Wagner. Nur damit könnten die Stammwähler der Union verstärkt angesprochen werden.

Wagner, auf Bundesebene Wortführer des konservativen Berliner Kreises in der Union, sieht kein spezifisches Großstadtproblem seiner Partei. Bei der hessischen Landtagswahl will die Union nun nach Wagners Worten neben der geplanten Klage gegen den Länderfinanzausgleich vor allem mit der Schulpolitik punkten.

dpa

Quelle: op-online.de

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