Klassenzimmer werden beim Turnfest zu Schlafsälen - nicht alle Beteiligten sind davon begeistert.

Obdachlose Schüler

Schlafen im Klassenzimmer erlaubt: Slowakische Turnerinnen aus Skalica haben gestern in der Schule am Ried in Bergen-Enkheim ihr Lager aufgeschlagen. Bis zum nächsten Freitag sind so etwa 40 000 Teilnehmer des Turnfestes untergebracht.

Frankfurt - (dpa) Viele Schulen in der Region verwandeln sich während des Internationalen Turnfests vom 30. Mai bis zum 5. Juni in Schlafsäle und Cafeterien. Für die dadurch obdachlosen Schüler müssen die Schulen aber die Betreuung sicherstellen. Das sieht ein Erlass von Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) vor.

Trotz des einwöchigen Unterrichtsausfalls und der Kritik vieler Eltern hält das Land an dieser Entscheidung fest. „Die Teilnehmer des Turnfestes müssen untergebracht werden, dafür bieten sich die Schulräume als günstige Lösung nun einmal an“, sagte der Sprecher des Kultusministeriums.

Rund 150 Schulen der Region, davon 60 in Frankfurt und etwa 30 im Kreis Offenbach, dienen als Quartier für etwa 40 000 Turner. Der Unterricht fällt aber auch an bis zu 80 anderen Schulen aus, obwohl in ihnen niemand übernachtet. Grund ist die im Vergleich zu früheren Turnfesten überraschend niedrige Nachfrage nach den Massenquartieren. Ursprünglich hatten die Organisatoren erwartet, sie müssten 60 000 Teilnehmer in Schulen unterbringen. In den zu viel reservierten Schulen gibt es während der Turnfestwoche trotzdem keinen Unterricht, um den ohnehin verärgerten Eltern eine erneute Rolle rückwärts zu ersparen.

Turnfest-Organisator Heiner Henze kündigte an: „Man wird sich überlegen müssen, ob sich die gesellschaftliche Akzeptanz von solchen Unterkünften geändert hat.“ Viele der Teilnehmer des Turnfestes hätten sich auf eigene Faust eine Bleibe im Hotel oder bei Bekannten besorgt, andere pendelten zwischen Frankfurt und ihrem zu Hause. Dies könne natürlich auch mit der zentralen Lage der Stadt in Deutschland zu tun haben.

Henze bezeichnete es als Versäumnis, vor dem Fest nicht ausreichend Verständnis bei Schulleitungen, Eltern und Lehrern geschaffen zu haben. Dies sei ein wichtiger Hinweis für die Rhein- Neckar-Region, die das Turnfest 2013 ausrichte. Dessen Organisatoren stehen vor einer besonderen Herausforderung: Mit Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg sind dort drei Schulbürokratien beteiligt.

Die meisten Schüler im Rhein-Main-Gebiet freuen sich derweil. Die Art der Betreuung während des Unterrichtsausfalls sei den Schulen freigestellt worden, berichtete das Schulamt in Frankfurt. Das Programm reicht von Ausflügen in städtische Einrichtungen wie den Zoo oder dem Turnfest. Andere Schulen haben extra Gruppen für zur Betreuung angemeldete Schüler gebildet. Manche Eltern und Horte nutzen die Zeit aber auch für einen Kurz-Urlaub mit ihren Kindern. Nur in einigen Gymnasien müssen die Abiturienten trotz der einquartierten Gäste kommen - zu den mündlichen Prüfungen.

Quelle: op-online.de

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