Ein sauberer Abgang

Frankfurt - Verdreckt, vermüllt, kaum noch Aktivisten, dafür Obdachlose, die die kleine Zeltstadt vor dem Turm der Europäischen Zentralbank (EZB) in der Frankfurter Innenstadt zum Übernachten nutzen - so und ähnlich wurde das Camp der kapitalismuskritischen Occupy-Bewegung seit Wochen beschrieben. Von Petra Wettlaufer-Pohl

Am Mittwochvormittag bietet sich ein ganz anderes Bild: Das Camp, das im Oktober vergangenen Jahres dort errichtet wurde, ist aufgeräumt, Müll in Säcken verstaut. Die müssen allerdings noch abgeholt werden.

Christian Fritz

Immer wieder hatte das Ordnungsamt der Stadt Frankfurt den Betrieb des Camps - mit Auflagen - genehmigt, doch jetzt gibt es Ärger. Christian Fritz (40) und Jörg Aufderheide (34) sind sauer auf die Stadt, denn sie hat den Aktivisten ein Ordnungsgeld von 4000 Euro aufgedrückt. Bis nächsten Mittwoch (9. Mai) muss aufgeräumt sein, verlangt der Bescheid. „Und jetzt klaut die Stadt uns unsere Arbeitszeit“, schimpft Fritz, der wie Aufderheide auf einer Baustelle arbeitet. Der Mann vom Ordnungsamt ist nicht zur Verabredung gekommen, „die denken wohl, wir sitzen hier den ganzen Tag und trinken Bier“.

Zwei rumänische Großfamilien leben im Camp

Auch Journalisten kämen immer dann, wenn die meisten Camp-Bewohner arbeiteten oder zur Uni gingen, „wir sind hier in der Regel um die 60 und rund 200, die im Hintergrund für uns arbeiten“, berichtet Aufderheide.

Die zwei rumänischen Großfamilien, von denen eine Frankfurter Zeitung berichtet hatte, leben im Camp, „aber warum auch nicht? Die Leute sind Roma, sie werden von der Gesellschaft ausgegrenzt, wo sollen sie denn hin? Das ist doch eine politische Frage.“ Eine der Frauen übernehme oft den Abwasch im Küchenzelt, erzählt Fritz, „man ist doch nicht nur Aktivist, wenn man ein Flugblatt in der Hand hat!“

Aktivisten sprechen von anhaltendem Zuspruch

Während es bei der Stadt heißt, Bürger beschwerten sich über das Camp, berichten die beiden Aktivisten Fritz und Aufderheide von anhaltendem Zuspruch - auch finanzieller Art.

Jörg Aufderheide

Ihnen ist allerdings klar, dass die Stadt sie langsam loswerden will. Entsprechende Äußerungen aus dem Römer gibt es bereits. Offenkundig werde das Anliegen aber nicht verstanden, beschweren sich die Bewohner: „Es hat sich doch noch gar nichts geändert in der Finanzwelt, warum sollten wir unseren Protest beenden?“ Die Stadt wird das Lager zunächst bis zum 8. Mai dulden, dann müsse neu beantragt werden, sagte eine Sprecherin des Ordnungsdezernats am Donnerstag. Die aktuelle Genehmigung sei gestern ausgelaufen, aber zum Aufräumen verlängert worden.

Über die Zukunft des Camps könnten möglicherweise auch die „Europäischen Aktionstage“ vom 16. bis 19. Mai des Bündnisses „Blockupy“ entscheiden. Sollte es dabei zu gewalttätigen Ausschreitungen wie bei der „Blockupy“-Veranstaltung im März kommen, hätte die Occupy-Bewegung es schwer sich zu behaupten. „Dabei haben wir mit den Linksradikalen vom schwarzen Block nichts zu tun,“ sagt Fritz, „wir sind eine friedliche Bewegung“.

Quelle: op-online.de

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