Österreicher Christian Kolonovits kehrte nach Offenbach zurück

In aller Freundschaft: Proben zum „Rilke Projekt“

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Konzentrierte Probenarbeit im Offenbacher Capitol: Christian Kolonovits dirigiert die Neue Philharmonie Frankfurt auch am Freitag in der Alten Oper.

Offenbach - Wenn am Freitag das „Rilke Projekt“ in der Alten Oper gastiert, ist auch die in Offenbach ansässige Neue Philharmonie Frankfurt mit von der Partie. Die von Dirigent Christian Kolonovits geleiteten Proben fanden im Capitol statt. Von Detlef Kinsler

Musik verbindet oft ein Leben lang. Das sagt Christian Kolonovits und pflegt einige seiner Musikerfreundschaften seit mehr als vierzig Jahren - unter anderem zu Richard Schönherz. So ist es nicht verwunderlich, dass dieser den gebürtigen Burgenländer zu einer ganz besonderen Produktion einlud. Mit seiner Frau Angelica Fleer ist Schönherz seit 2001 als Rilke Projekt erfolgreich. Zum 140. Geburtstag des Dichters wollte sich das Frankfurter Komponisten- und Produzententeam einen langgehegten Wunsch erfüllen und das Lyrikprojekt, für das sie über die Jahre namhafte Schauspieler und Sänger als Sprecher gewinnen konnten, mit großen Orchester aufnehmen.

So trafen sich im Sommer Fleer, Schönherz, Kolonovits, die Rilke Band mit Topsolisten von Gitarrist Ali Neander (Rodgau Monotones) bis Oboist Paul McCandless (Oregon) und die Neue Philharmonie Frankfurt im Offenbacher Capitol, um das Album „Symphonic Rilke Projekt - Dir zur Feier“ einzuspielen. „Ich würde sagen, Rilke selbst ist schon symphonisch“, findet Dirigent Kolonovits. „In seiner Zeit kam es zur endgültigen Ausprägung des symphonischen Orchesters. Da lag es nur nahe, die Kompositionen von Schönherz/Fleer in diese Richtung zu vergrößern.“ Der 63-Jährige, groß geworden mit den Austro-Poppern Georg Danzer, Ludwig Hirsch und Rainhard Fendrich, hat viel Orchestererfahrung, arbeitete unter anderem mit den Wiener Symphonikern und den Berliner Philharmonikern (plus den Scorpions), außerdem orchestrierte er die legendären „Christmas In Vienna“-Auftritte des Tenor-Triumvirats Domingo-Carreras-Pavarotti.

Umso mehr darf sich das Offenbacher Orchester über Kolonovits’ Kompliment freuen. „Die Arbeit mit der Neuen Philharmonie Frankfurt hat großen Spaß gemacht. Ein musikalisch einfühlsamer Klangkörper, der sich gern auf Neues einlässt“, urteilt das Multitalent. „Meine persönliche Affinität zur Orchesterarbeit hat sich übrigens als Kontrapunkt zur synthetischen Musik entwickelt. Ich liebe das, jeden Tag anders zu klingen, die Arbeit im Kollektiv und das Risiko.“ Auf der Bühne erproben kann er das in der aktuellen Konstellation zum ersten Mal an diesem Freitag. Da hat das „Symphonic Rilke Projekt - Dir zur Feier“ in der Alten Oper mit Gästen wie Ben Becker, Hannelore Elsner, Nina Hoger, Max Mutzke und Peter Maffay sowie vielen anderen Live-Premiere. Eine Tournee ist für die zweite Hälfte 2016 geplant.

Offenbach ist für Kolonovits kein unbeschriebenes Blatt. Klavier, Cello und Komposition hat er in Wien studiert, sein Geld verdiente der Sohn einer ungarischen Mutter und eines kroatischen Vaters anfangs aber vor allem als Studiomusiker. Und das nicht nur daheim in Österreich, sondern auch am Main. Im Europasound Studio in der Bieberer Rathausgasse zählte er zum Team von Hitproduzent Frank Farian, nahm dort 1976 sein erstes Soloalbum „Life Is Just A Carnival“ auf. Das Hotline Studio im Frankfurter Nordend wurde eine weitere wichtige Adresse.

So wirkt Musik auf unseren Körper

„Die Siebzigerjahre in beiden Studios waren eine höchst kreative Zeit, die unser beider, meines und Richard Schönherz’, Leben mitgeprägt hat“, erzählt Kolonovits. „Frankfurt war eine gute Schule für meine spätere Arbeit als Produzent, Arrangeur und Studiomusiker. Arbeiten für Boney M., Supermax, aber auch für Wolfgang Ambros, der ja einige seiner wichtigsten Alben bei mir in Frankfurt produziert hat, haben mich nachhaltig beeinflusst.“

Obwohl es mit der Allstar-Band namens Einstein, bei der Richard Schönherz zweiter Keyboarder war, nicht zum großen Wurf reichte: Nach Frankfurt kehrt Kolonovits ohne Groll zurück. „Wir waren damals schon viel zu sehr auf unsere eigenen Projekte eingestimmt. Jeder hat es auf seine Art versucht und wie man sieht, hat es ja für uns beide geklappt.“ „Rilke Projekt - Dir zur Feier“ am 4. Dezember in der Alten Oper Frankfurt. Karten gibt es unter Tel.: 069/1340400.

Quelle: op-online.de

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