Verkehrsverbund will die „Ärmel hochkrempeln“

Pünktlichkeit bei 90 Prozent: RMV im Bummelzugtempo

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Der RMV steht vor großen Herausforderungen. Eines steht dabei jetzt schon fest: Die nächste Preiserhöhung für die Bus- und Bahngäste kommt bestimmt.

Offenbach - „Ärmel hochkrempeln für Frankfurt-Rhein-Main.“ Die Manager des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV) haben sich viel vorgenommen für 2016. Optimismus wird bei einer Pressekonferenz verbreitet. Von Peter Schulte-Holtey

Dabei wissen die Verkehrsmanager gar nicht, an welcher „Baustelle“ sie zuerst ansetzen sollen. „722 Millionen Fahrgäste sind ein Ansporn, noch besser zu werden.“ RMV-Chef Knut Ringat setzt auf Zuversicht. Bei den Kunden legte der RMV 2015 zum 20. Mal in Folge zu. Im Dezember sei das Fahrtenangebot zudem auf elf Linien ausgeweitet worden. Um Kapazitätsengpässe im Gleisnetz zu beseitigen und einen zuverlässigen und pünktlichen Betrieb zu unterstützen, will der Verkehrsverbund in Rhein-Main in diesem Jahr sechs kleinere Maßnahmen umsetzen; zu wenig, um die Qualität entscheidend zu verbessern. Ringat fasst das Hauptproblem in einem Satz zusammen: „Wir brauchen eine bessere Infrastruktur und mehr Kapazitäten. Alles andere ist nachrangig!“ Also: Mängel in der Infrastruktur als „Bremser“.

Projekte in Wartestellung

Verkehrspolitiker sind sich zwar seit Jahren einig, dass das Schienennetz in der Region massiv ausgebaut werden muss. Es gibt eine Vielzahl an Vorhaben, doch verwirklicht werden sie viel zu langsam. Ein Überblick: Kleine Lichtblicke gibt es bei der Regionaltangente West (RTW). Die RTW soll eine schnelle Verbindung um Frankfurt herum von Bad Homburg über Höchst zum Flughafen und nach Neu-Isenburg (und Buchschlag) bieten. Seit mehr als 30 Jahren wird verhandelt, nun wird zumindest etwas Fahrt aufgenommen. Der Beginn des Planfeststellungsverfahrens ist für Ende 2016 vorgesehen.

Im Bummelzugtempo geht es auch beim Vorhaben Nordmainische S-Bahn weiter. Geplant wird seit 1985. Baustart ist nun 2019. Die Strecke soll von Hanau nach Frankfurt führen, acht Stationen. Es wird aber wohl noch mindestens ein Jahrzehnt dauern, bis die erste S-Bahn fährt. Unklar ist, wie das Terminal 3 des Flughafens „angebunden“ werden soll. Ein Gleisanschluss wird es nicht geben, solange die neue ICE-Strecke von Frankfurt nach Mannheim nicht gebaut ist. Das kann noch bis 2026 dauern. Bei Fraport denkt man an einen Shuttle zum Regionalbahnhof am Terminal 1. Doch der ist jetzt schon überlastet. Ringat und sein Team suchen nach Lösungen, um eine spätere Anbindung ans S-Bahnnetz zu ermöglichen.

Erfreuliches vom Projekt „Hessen Express“: Es geht darum, schneller von Wiesbaden zum Flughafen zu kommen. Für die Verbindung muss die „Wallauer Spange“ gebaut werden, damit die Züge von Wiesbaden direkt auf die Neubaustrecke Frankfurt-Köln fahren können. Der Planungsprozess soll in diesem Jahr beginnen.

Was RMV-Kunden jetzt zu spüren bekommen

Mit Preiserhöhungen ist zu rechnen. Die Tickets dürften aber lediglich ähnlich wie die Kostensteigerung bei der Lebenshaltung teurer werden, so Ringat. Die Entwicklung der Energiepreise lasse sich aber nicht vorhersagen. Zum Jahresanfang hatte der RMV eine Preiserhöhung von 1,85 Prozent angekündigt, was unter dem Bundesdurchschnitt liegt.

Einen Dämpfer gab es bei der Pünktlichkeitsquote der S-Bahn. Sie ging 2015 von 93 Prozent auf 90 Prozent zurück. Als Gründe wurden Tunnel-Bauarbeiten, Störungen bei Oberleitungen und Weichen genannt. Mit der Schulnote 2,2 (2014: 2,4) geht es zwar bei der Kundenzufriedenheit bergauf. Dass wesentliche Verbesserungen in Sachen Pünktlichkeit 2016 kaum zu erwarten sind, zeigt der Blick auf Bauvorhaben. Auf Einschränkungen müssen sich Kunden des Verkehrsverbunds in den Oster- und Sommerferien einstellen, in denen der Frankfurter S-Bahntunnel gesperrt wird.

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„Zahlen, was man fährt“: Um die Fahrpreise gerechter zu machen, testet der RMV ab Frühjahr ein neues Tarifsystem und sucht 20.000 Testkunden. Fahrten mit Bussen und Bahnen sollen nach Entfernung und nicht mehr wie bisher nach Tarifgebieten berechnet werden. Ringat vergleicht das System mit Taxifahrten, bei denen zu einem Grundpreis die gefahrenen Kilometer berechnet werden. Zunächst soll das Modell mit einer Ticket-App für Mobiltelefone erprobt werden. Der Pilotversuch ist auf drei Jahre angelegt. Eine „Rekrutierungskampagne“ für Testnutzer aus allen Teilen des RMV-Gebietes ist in Vorbereitung.

Quelle: op-online.de

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