Restaurants in Region unter neuer Führung

Burger King entmachtet Betreiber

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Offenbach - Sind von dem Wirbel um miese Arbeitsbedingungen und schlechte Hygiene bei der Zubereitung von Gerichten in Filialen des US-Fastfood-Konzerns Burger King auch Restaurants in Offenbach und der Region betroffen? „Kein Kommentar“, so die Stellungnahme eines Firmensprechers. Von Michael Eschenauer

In der Zentrale des Bulettenbrat-Imperiums in München versuchte man gestern mühsam, den Schaden in Grenzen zu halten. Angerichtet hat ihn der Enthüllungsjournalist Günter Wallraff mit seiner Reportage für eine RTL-Sendung. Das „Team Wallraff - Reporter Undercover“ hatte sich als Mitarbeiter in mehrere Fast-Food-Läden eingeschleust und über die Umettikettierung abgelaufener Nahrungsmittel, gravierende Mängel bei der Zubereitung der Mahlzeiten und unhygienische Zustände berichtet. So reinigten Mitarbeiter die Toiletten der Restaurants und standen danach ohne Kleiderwechsel in der Küche. Dort wurden dann, so der Bericht vom vergangenen Montag, kaum überraschend Darmbakterien nachgewiesen. Ferner stieß man auf extrem miese Arbeitsbedingungen für die Angestellten.

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Sechs Filialen vorübergehend geschlossen

Burger King zog daraufhin die Reißleine und schloss vorübergehend sechs Filialen. Bis auf weiteres würden Sonderinspektionen - sogenannte „Qualitäts-Audits“, durchgeführt, berichtete ein Firmensprecher. Außerdem trennte man sich von Ergün Yildiz. Der türkischstämmige Unternehmer ist bzw. war einer der Gesellschafter und Geschäftsführer des für den Skandal verantwortlichen Franchisenehmers Yi-Ko-Holding. Es heißt, die in München ansässige Beteiligungszentrale von Burger King habe - genervt von den immer wieder auftauchenden Negativ-Schlagzeilen - den Rücktritt von Yildiz als Geschäftsführer mit der Drohung erzwungen, ansonsten den gesamten Franchisevertrag wegen grober Pflichtverletzung zu kündigen. Yildiz und der Burger-King-Franchisenehmer für Russland, Alexander Kolobov, hatten mit ihrer Yi-Ko-Holding Anfang vergangenen Jahres 91 Filialen deutschlandweit übernommen. Die betroffenen Restaurants seien wieder geöffnet worden, zuvor habe man die Mängel behoben, teilte Burger King mit.

Der Geschäftsführer der Burger King Beteiligungs GmbH, Andreas Bork, versicherte, dass künftig alle Qualitätsstandards und faire Arbeitsbedingungen eingehalten würden. „Wir bedauern zutiefst, das Vertrauen unserer Gäste enttäuscht zu haben und werden alles tun, um ihr Vertrauen zurückzugewinnen.“ Sollten bei den Überprüfungen weitere Mängel in einzelnen Filialen festgestellt werden, würden auch diese bis zur Beseitigung geschlossen.

Man gibt sich abwartend optimistisch

Zwischen der Burger-King-Zentrale und Yi-Ko sei vereinbart worden, dass alle Entscheidungen über das operative Geschäft in dessen Filialen einschließlich Mitarbeitertraining und Arbeitsbedingungen von Burger King genehmigt werden müssten.

Der umstrittene Franchisenehmer stand bereits seit Monaten wegen schlechter Arbeitsbedingungen in der Kritik der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten. Die Gewerkschaft vertritt ihre Mitglieder in zahlreichen Prozessen vor Arbeitsgerichten gegen ihren Arbeitgeber. Hier gibt man sich abwartend optimistisch. Man wolle erst einmal schauen, ob Yildiz nicht doch als Miteigentümer von Yi-Ko weiter Einfluss auf die Geschäfte nehmen werde. Gleichzeitig ist unklar, ob Yi-Ko die Läden überhaupt weiterhin halten wird.

Jedenfalls tritt nun an Yildiz’ Stelle eine Frau - Nicole Gottschalk, die bisher in der Münchner Zentrale als Direktorin für die Betreuung aller Franchisenehmer in Deutschland, Österreich und der Schweiz verantwortlich war. Zum „System Burger King“ gehören nach Angaben des Konzerns in Deutschland derzeit fast 700 Restaurants, die von rund 165 Franchisenehmern betrieben werden. Für den normalen Kunden ist praktisch nicht zu erkennen, wer eine Filiale führt. Klar ist aber, dass Yi-Ko den Löwenanteil der Filialen hat.

Während sich Burger King mit Informationen zu den betroffenen Filialen äußerst zurückhält, geht aus Presseberichten hervor, dass viele Filialen im Rhein-Main-Gebiet bislang vom Yildiz betrieben wurden. Auch sie haben nun eine neue Führung.

Die Restaurants, die bei Wallraff aufgefallen sind, liegen in Nordrhein-Westfalen. In Frankfurt betreibt Yi-Ko Berichten zufolge ein Restaurant in der Liebfrauenstraße, der Mainzer Landstraße und der Hanauer Landstraße sowie zwei in der Borsigallee. Zwei weitere Burger Kings im Hauptbahnhof arbeiten unter einem anderen Betreiber. Auch in Mainz und Wiesbaden hat Yi-Ko Fast-Food-Läden mit Burger King-Emblem.

Das Frankfurter Ordnungsamt hat nach Aussage von Sprecher Michael Jenisch allerdings gravierende lebensmittelrechtliche Verstöße, in den dortigen Filialen nicht festgestellt.

Quelle: op-online.de

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