Offenbach, Frankfurt und Wiesbaden

Rhein-Main-Metropolen blicken auf 2030

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Hanau ist schon fertig, Frankfurt, Wiesbaden und Offenbach fangen gerade an: Mit Stadtentwicklungskonzepten wollen sie ihre Kommune umgestalten. Potenzial hat vor allem das Gebiet um den Kaiserlei-Kreisel.  

Frankfurt - Wie sehen die Städte im Rhein-Main-Gebiet in 15 Jahren aus? Wie bleiben die Kommunen bis 2030 attraktiv? Frankfurt, Offenbach und Wiesbaden arbeiten gerade parallel an „Integrierten Stadtentwicklungskonzepten“. Am Freitag stellten sich die Stadtplaner bei einer Tagung gegenseitig vor, was sie vorhaben. Von Sandra Trauner

In erster Linie geht es um Gewerbegebiete, Wohnbebauung und Verkehrsplanung. Es geht aber auch um Grünflächen, Schulen, Sport und das soziale Gefüge. Ganz am Ende lauert oft eine Image-Frage. Wiesbaden zum Beispiel werde von außen positiv wahrgenommen, innen aber skeptisch beäugt, berichten die Referenten. Offenbach habe ein Image-Problem. Wer dort wohne, verstehe aber nicht, wieso. In vielen Punkten aber stehen die Stadtplaner vor den gleichen Hürden und müssen ähnliche Probleme lösen.

Problem Nummer eins: Es ist zu eng. Am meisten Druck im Kessel hat Frankfurt. Die Diagramme sind eindeutig: Die Einwohner-Kurve zeigt steil nach oben, pro Jahr wächst die größte Kommune Hessens um 15.000 Menschen; die Kurve mit Baufertigstellungen geht nach unten. Der Grund kommt im nächsten Chart: Fast jeder Quadratmeter ist rot als bebaut markiert – zwei winzige grüne Fleckchen werden das Problem nicht lösen, dass Wohnen in Frankfurt immer teuerer wird.

Problem Nummer zwei: Die Politik funkt gern dazwischen, und in der Verwaltung guckt jeder nur auf sein Ressort. In Wiesbaden zum Beispiel müssen sieben Dezernate, 27 Ortsbeiräte und mindestens eine kritische Fraktion im Rathaus einbezogen werden. Der Masterplan WISEK wurde sicherheitshalber in zwei Teile aufgespalten: Bis zur Kommunalwahl wird nur eine Bestandsaufnahme gemacht. Erst nach der Wahl werden Ziele und konkrete Maßnahmen beschlossen.

Problem drei: Wie nimmt man die Bürger am besten mit? Offenbach startete erst einen Online-Dialog, in dem ganz offen gefragt wurde, was den Menschen an ihrer Stadt gefällt und was nicht. Später wurden die Bürger zu konkreten Plänen befragt. Um die vielen ausländischen Offenbacher ins Boot zu holen, gab es für 200 Menschen ein Masterplan-„Fastenbrechen“.

Masterpläne mit jahrzehntelangem Horizont sind nötig, weil jede Kommune auf das reagieren muss, was sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat. Offenbach zum Beispiel hat Gewerbe-Arbeitsplätze verloren und jetzt eine hohe Arbeitslosigkeit. Der Masterplan soll helfen, Besserverdiener in die Stadt zu locken, die Wirtschaft anzukurbeln und Arbeitsplätze zu schaffen.

Die Deutsche Akademie für Städtebau und Landesplanung und die Vereinigung für Stadt-, Regional- und Landesplanung hatten die drei Kommunen eingeladen, ihre Stadtentwicklungskonzepte vorzustellen. Xenia Diehl, die die Veranstaltung moderierte, findet es hoch spannend, dass die drei Städte den Prozess zeitgleich angestoßen haben. Sie sprach von einer „Renaissance der Stadtplanung“.

Die Referenten mussten sich dabei auch kritischen Fragen stellen: „Seid Ihr sicher, dass Ihr das alles auf der Städte-Ebene lösen könnt? Sind da nicht Fragen, für die Ihr zu klein seid?“, gibt Gabriela Bloem von der Städtebau-Akademie zu bedenken. Gerade in Ballungsräumen müsse man darüber nachdenken, ob es nicht sinnvoller wäre, manches gemeinsam anzugehen, sagte sie vor Beginn der Tagung der Deutschen Presse-Agentur.

dpa

Quelle: op-online.de

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