War es Brandstiftung?

Gartenhütten in Flammen: Polizei hat heiße Spur - Zeugen machen wichtige Entdeckung

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Die Polizei hat bei dem Brand in Offenbach eine heiße Spur.

In der Nacht zum Dienstag sind zwei nebeneinanderliegende Gartenlauben abgebrannt. Erneut in Bürgel. Viele fragen: War es Brandstiftung? Es liegt zumindest die Vermutung nahe, dass bei dem neuerlichen Feuer am Mainzer Ring nachgeholfen wurde.

Offenbach – Erstmals haben Zeugen einen Mann beobachtet, der vom Ort des Geschehens geflüchtet ist. Der Alarm geht am frühen Dienstagmorgen in der Leitstelle Rhönstraße ein – Vollbrand einer Gartenhütte. Berufs- und Freiwillige Feuerwehr Rumpenheim rücken um 1.12 Uhr aus. Die Trupps löschen das Feuer unter Atemschutz mit drei Strahlrohren. Um 2 Uhr meldet der Einsatzleiter „Feuer aus“. Nachlösch- und Aufräumarbeiten dauern bis nach 3 Uhr.

Die abgeschiedene Lage und der Umstand, dass die Täter nachts zuschlagen, erschweren die Ermittlungen. In diesem Fall hat die Polizei jedoch eine heiße Spur: Zeugen sehen einen etwa 30 Jahre alten Mann mit dem Fahrrad über den Feldweg zur Mainzer Straße wegradeln. Die Beschreibung: dunkle kurze Haare, bekleidet mit einem schwarzen Kapuzenpullover und dunkler Hose.

Nicht der erste Brand im Mainbogen

Die Kriminalpolizei ermittelt, die Kleingärtner beobachten alles mit Sorge. Denn es ist nicht der erste Brand im Mainbogen. Die inoffizielle Brand-Chronologie für den nordöstlichen Teil der Stadt mit ihren hunderten Lauben liest sich wie folgt: Angefangen hat es am 23. Januar 2015 an der Gerhard-Becker-Straße – vier weitere Feuer folgten in dem Jahr. 2016 registrierte die Polizei im Mainbogen erneut fünf Brände, 2017 waren es drei, im vergangenen Jahr erneut fünf. Das aktuelle Feuer ist bereits das zweite im noch jungen 2019.

Die Statistik betrifft lediglich die Brände – nimmt man Einbruch und Diebstahl hinzu, schnellt die Fallzahl deutlich in die Höhe. Das wissen auch die Ermittler, die sich von den erstmaligen Zeugenhinweisen einiges versprechen. Dass die Brandermittler zudem mögliche Spuren sichern, versteht sich in diesen Fällen von selbst.

Sorge und Unbehagen in Offenbacher Kleingärten

Angst wäre sicher das falsche Wort, aber Sorge und Unbehagen gehören mittlerweile zur allgemeinen Gefühlslage eines Kleingärtners – auch ohne Zündler. Denn jetzt, das wissen sie aus Erfahrung, beginnt wieder die „heiße Zeit“. Wenn viele nach dem Winter ihre Parzellen mit Geräten, Werkzeug, Möbel, Geschirr und vielen mehr bestücken, lockt das auch vermehrt unerwünschte Besucher auf den Plan. Was wird denn geklaut? „Alles“, sagt eine Offenbacherin. Um dann nachzulegen: „Schnaps.“

Das mit dem Alkohol greift wohl zu kurz. Denn mitgenommen wird offenbar alles, was zu verkaufen oder zumindest zu gebrauchen ist: Spaten, Hacken, Taschenlampen, Radios, Lebensmittel... Die Kleingärtner greifen mitunter zu ungewöhnlichen Mitteln, um den Schaden an den Gebäuden zu minimieren: „Einbruch zwecklos, Laube leer“, wird da schon mal handschriftlich an der Tür vermerkt. Andere schließen diese gar nicht mehr zu...

Sommer übernachten die Kleingärtner gerne im Garten

Gerade im Sommer übernachten die Kleingärtner gerne im Garten – auch zum Schutz der Hütte. Einschränkung: „Das ist schon ein sehr mulmiges Gefühl; da ist jedes Geräusch verstörend...“ Aber selbst organisierte Patrouillen – vor Jahren in einer lokalen Anlage erprobt – haben keine abschreckende Wirkung gezeigt. Und ob im Falle eines Falles die Versicherung zahlt, möchte ein Offenbacher gar nicht erst probieren: „Schon kommt mich die Police teurer als jährliche Pacht und Mitgliedsbeitrag“, hat er hochgerechnet.

Von den Ermittlungsbehörden fühlen sie sich im Stich gelassen: „Da passiert ohnehin nichts.“ Ist das der Fall? Da schweigt die Polizei-Pressestelle: „Wir werden nicht mögliche operative Maßnahmen offenlegen...“

Von Martin Kuhn

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