Interview mit der Projektleiterin der Schulkinowochen

Das Lichtspielhaus wird zum Klassenzimmer

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Julia Fleißig, Projektleiterin beim Deutschen Filminstitut in Frankfurt

Offenbach/Frankfurt - 74 hessische Kinos verwandeln sich in dieser und der nächsten Woche in flimmernde Klassenzimmer. Die 8. Schulkinowochen Hessen bieten ein umfangreiches Programm für Schüler aller Jahrgangsstufen und Schulformen.

Harald H. Richter sprach mit Julia Fleißig, Projektleiterin beim Deutschen Filminstitut in Frankfurt, über die Schwerpunkte in diesem Jahr.

Die Schulkinowochen sollen Kinder und Jugendliche für den Umgang mit dem Medium Film sensibilisieren. Wie können Sie das erreichen?

In erster Linie bieten wir eine Plattform zur Auseinandersetzung mit Filmsprache. Wir stellen ein Programm aus hochwertigen Filmen zusammen, wobei für alle Altersstufen und für jeden Schultyp etwas dabei ist. Im Kino wirken Filme sehr viel intensiver als am heimischen Fernseher oder auf dem PC-Bildschirm. Außerdem kann man sich im Kino nicht durchs Programm zappen, sondern muss seine Aufmerksamkeit für die Dauer des Films eben diesem widmen.

Aus welchen Genres werden Filme gezeigt und was sind die herausragenden Produktionen?

Unser diesjähriges Angebot bietet rund 90 Spiel-, Dokumentar-, Animations- und Kurzfilme verschiedener Genres. Besonders beliebt bei den Jüngeren ist die aktuelle Verfilmung von Otfried Preußlers Kinderbuchklassiker „Das kleine Gespenst“. Wir haben aber auch den handgezeichneten Animationsfilm „Der Mondmann“ nach der Literaturvorlage von Tomi Ungerer im Programm und den ersten von einer Frau in Saudi-Arabien realisierten Film, „Das Mädchen Wadjda“.

Kritiker bemängeln, die Schulkinowochen seien kurzweilige Ausflüge in der Art eines Wandertags im Klassenverband, nur eben verknüpft mit dem Besuch eines Lichtspielhauses. Was erwidern Sie?

Zusammen mit der Anmeldebestätigung erhalten die Lehrkräfte von uns pädagogisches Begleitmaterial zum gebuchten Film. Mit einem Wandertag hat das also nichts zu tun. Wir verfolgen das Ziel, Kinder und Jugendliche zu einem kritischen und selbstbewussten Umgang mit dem Medium Film zu befähigen, denn in unserer mediengeprägten Gesellschaft sind sie nun mal alltäglich und wie selbstverständlich von bewegten Bildern umgeben. So wie man Rechnen, Lesen und Schreiben lernt, um sich die Welt aneignen zu können, so braucht es heutzutage die Kompetenz, mit Medien umzugehen.

Gibt es begleitende Angebote, etwa Workshops oder am Tag des Kinobesuchs Begegnungen und Gespräche mit Filmschaffenden?

Ja, zum einen werden in der begleitenden Fortbildungsreihe bis einschließlich Juni filmpädagogische Workshops angeboten, die individuell von den Klassen gebucht werden können und bei denen der Referent in die Schule kommt. Zum anderen werden zahlreiche Kinovorstellungen von Gesprächen mit Filmschaffenden, Fachreferenten oder Filmpädagogen begleitet. So haben wir etwa aufgrund unseres „Fokus Film und Literatur“ Drehbuchautoren eingeladen, dem Schülerpublikum darzulegen, wie sie den Schritt von der Literaturvorlage zum Drehbuch bewältigen.

Es ist von einem umfangreichen Rahmenprogramm die Rede. Welche Besonderheiten können Sie nennen?

Neben den Sonderveranstaltungen mit Filmgesprächen zu einzelnen Kinovorstellungen gibt es das Angebot Kino TV der Medienprojektzentren Offener Kanal, das Schülern die Möglichkeit bietet, eigene Filme zu einem selbst gewählten Text zu produzieren, die wir wiederum vor ausgewählten Vorstellungen als Vorfilme platzieren. Auch bieten wir eine begleitende Fortbildungsreihe für Lehrkräfte und Schulklassen an. Besonders hervorzuheben bei den Angeboten zur Weiterbildung ist der jährlich stattfindende Filmtag, an dem sich die Teilnehmenden einen ganzen Tag lang in Workshops Wissen aneignen können.

Welche Kinos aus der Region sind dabei und was wird dort geboten?

In diesem Jahr nehmen das Cinemaxx Offenbach, das Lichtburg Cinema in Langen, das Kino Rex Palast/ Viktoria Theater in Dreieich-Sprendlingen, in Seligenstadt das Kino Turmpalast/ Turmpalaststudio sowie das Kinopolis Hanau teil. In der Woche vom 31. März bis 4. April sind in über 40 Vorstellungen rund 30 Filme zu erwarten. Dort werden auch einige Sonderveranstaltungen stattfinden. In Hanau gibt es zwei Filmgespräche: Am 2. April ist die Diözesan-Referentin Sarah Schlimme-Nordheim bei der Vorstellung von „Vierzehn“ zu Gast. Als Mitwirkende der Produktion blickt sie mit dem Schülerpublikum hinter die Kulissen des Dokumentarfilms, der minderjährige Mütter porträtiert. Am 4. April begleitet die Wissenschaftlerin Cosima Wagner von der Freien Universität Berlin den Film „Robot & Frank“.

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Quelle: op-online.de

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