OP-Leser bei Lufthansa Cargo

Ein Blick hinter die Kulissen

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Karl Udet Koch (links) erklärt unseren Lesern im Inneren einer MD-11 wie die Fracht logistisch verteilt und gesichert wird.

Frankfurt - Kerosin-Geruch steigt in die Nase, Wind bläst durch die Haare. Die Augen vergrößern sich immer mehr und springen gespannt zwischen Kameradisplay und dem, was sich rasch mit ohrenbetäubendem Lärm nähert, hin und her. Von Ronny Paul 

Bloß nicht den Augenblick verpassen, in dem der 270-Tonnen-Vogel vom Boden abhebt. „Das ist fantastisch“, sprudelt es voller Begeisterung aus Offenbach-Post-Leser Matthias Hekele heraus. „Solche Eindrücke bekommt man sonst nicht.“

Hekele ist einer von acht Offenbach-Post-Lesern, die beim Gewinnspiel unserer Zeitung zum „Tag der Logistik“ eine Führung bei der Lufthansa Cargo gewonnen haben. Der Obertshausener steht mit seinem Sohn Dominik auf der Startbahn-West des Frankfurter Flughafens – nur einen Steinwurf entfernt – als ein Flugzeug des Typs MD-11 in Richtung New York abhebt. Auch für den 16-Jährigen ist das ein einmaliges Erlebnis, hautnah den Start eines Lufthansa-Kranichs mitzuerleben. Er habe zwar schon einige Führungen mitgemacht und kenne sich auch ganz gut mit Luftfracht aus, doch so unmittelbar mittendrin sei er in seinen jungen Jahren noch nicht gewesen. Dass der mit Maschinenteilen beladene Flieger über Umwege den Weg nach Frankfurt zurückfindet, ist für die Gruppe neu. Lufthansa-Cargo-Pilot Tim Holderer erklärt: „Als Fracht-Pilot ist man längere Zeit unterwegs als die Kollegen vom Passagierflug. Ich bin manchmal zehn Tage am Stück nicht zuhause.“ Auch die MD-11 nach New York steuert auf ihrem sogenannten Kettenflug mehrere Flugplätze an, bevor der Rückweg nach Frankfurt angepeilt wird.

Beeindruckender Start - selbst für einen Piloten

Cargo-Pilot Tim Holderer (unten links) posiert mit den Besuchern vor einer Boeing 777 auf dem Frankfurter Flughafen - unter ihnen auch unsere acht glücklichen Gewinner der Verlosung aus der vergangenen Samstagsausgabe.

Das einmalige Ereignis auf der Landebahn-West hat Roy Watson, Pressesprecher der Fraport, spontan ermöglicht: „Am besten sind Flugzeuge, wenn man direkt davor steht“, schwärmt er. „Geplant war das nicht“, verrät Pilot Holderer, der die Führung mit seinem Fachwissen anreichert. Auch für ihn war das ein besonderes Erlebnis: „Normalerweise bekomme ich den Start nur aus dem Cockpit mit. Die Maschine, die ich schon so oft geflogen bin, aus nächster Nähe beim Starten zu sehen, ist beeindruckend.“ Watson hatte einen Personalbus der Fraport organisiert, der unsere Leser mit einem Affenzahn über das Vorfeld hin zur Startbahn-West gefahren hat. Die Beladung des Kranich-Fliegers nach New York hatten unsere Leser zuvor im Frachtraum miterlebt.

Immer kommentiert von Karl Udet Kochs interessanten Insiderkenntnissen. Der 66-Jährige ist ein Lufthansa-Cargo-Urgestein. 1969 hat er bei Deutschlands größter Luftfrachtgesellschaft angefangen und gehörte bis vor einem Jahr quasi zum Inventar. Seit dem teilt der Rentner regelmäßig sein Wissen bei Führungen über das Lufthansa-Cargo-Gelände: „Die Luftfahrt lässt mich einfach nicht los“, erzählt Koch. Er führt die Gruppe durch das Cargo-Center, in dem im Drei-Schicht-Betrieb, rund um die Uhr geladen, verpackt und auf Paletten gestapelt wird. Egal ob Zierfische, Ersatztriebwerke für Flugzeuge, edle Rennpferde, Blumen, Luxuskarossen, oder Gefahrgüter – die Logistiker kümmern sich eigentlich um alles, was legal von A nach B geflogen werden muss und was der Frachtraum der 20-Flieger-starken Cargo-Flotte hergibt.

Überhaupt hat Koch für die Gruppe viele Anekdoten parat: Einmal hat er die weißen Tiger der Magier Siegfried und Roy „fluggerecht verladen“ Zur Geldkrise auf Zypern vor zwei Jahren hat er ein ganzes Flugzeug voller Euro-Scheine verfrachtet. „Da war Sicherheitsstufe 1 angesagt“, erinnert er sich. Zur Weltmeisterschaft 2010 charterte der Deutsche Fußball Bund (DFB) eigens eine Maschine für die Fußballschuhe von Bastian Schweinsteiger. Der Bayern-Profi hatte seine Treter zuhause vergessen. Die Cargo-Crew half sofort aus und lieferte die Schuhe rechtzeitig vor Anpfiff nach Südafrika.

Bilder vom Besuch der Leser

OP-Leser bei Lufthansa Cargo

Aber auch unschöne Situationen hat der Cargo-Veteran schon erlebt: „Einmal ist beim Verladen ein Leichensack aufgerissen. Das war ganz schön unangenehm“, gesteht Koch. Unsere Leser hängen während der gesamten Führung gebannt an seinen Lippen und sind fasziniert vom regen Treiben: „Sterbliche bekommen diesen Blick hinter die Kulissen normalerweise nicht“, vermutet Leserin Carmen Rottmann aus Frankfurt und fügt an: „Es ist schon erstaunlich, was hier für ein Arbeitsaufwand dahinter steckt.“ Sie hat zusammen mit ihrem Mann Detlef bei unserem Gewinnspiel gewonnen und auf die schnelle einen Babysitter organisiert.

Auch Leserin Gudrun Graulich aus Offenbach ist überzeugt von der vielfältigen Arbeit auf dem Frankfurter Cargo Gelände: „Ich hätte nicht gedacht, dass es hier so groß ist. Ein tolles Erlebnis.“ Nicht nur für Graulich ein Tag, der lange im Gedächtnis bleiben wird, wie der Blick in acht zufriedene Gesichter vermuten lässt.

OP-Leser bei Lufthansa Cargo

Quelle: op-online.de

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