Immer mehr Bädern droht Schließung

„Schwimmen ist Kulturtechnik“

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Offenbach - 300 Schwimmbäder sind seit 2007 in Deutschland geschlossen worden, 500 müssen um ihre Existenz bangen.

Diese Zahlen hat die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) zum Expertenworkshop „Droht immer mehr öffentlichen Bädern das Aus?“ in Wiesbaden präsentiert. Leidtragende seien vor allem die Kinder, von denen immer weniger nach der Grundschule schwimmen könnten. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) hat keine Zahlen zu der Entwicklung, und auch Frank Meyrahn, Berater des Bundeswirtschaftsministeriums bei einer Studie über die öffentlichen Bäder, mochte die DLRG-Angaben nicht bestätigen. Es gebe keine Zahlen zu der Entwicklung der vergangenen Jahre. Und auch keine über bedrohte Bäder in der Zukunft. Der Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen, Christian Ochsenbauer, gegenüber der Deutschen Presseagentur: „Die Bäderschließungs-Debatte ist chronisch. Aber wir müssen nicht mit einem massenweisen Bädersterben rechnen.“

Kommentar zum Thema: Einfach mal baden gehen

Fakt ist freilich, dass viele Schwimmbäder in einem beklagenswerten Zustand sind. Der Studie des Ministeriums zufolge müssen die Kommunen für ihre 7500 Bäder pro Jahr etwa 4,4 Milliarden Euro für Bau, Betrieb und Personal aufbringen. Der DStGB-Beigeordnete Uwe Lübking sieht das Hauptproblem im Zustand der Schwimmbäder, die oft 30 oder 40 Jahre alt und entsprechend sanierungsbedürftig seien. Der Investitionsstau betrage mittlerweile bundesweit 10 bis 15 Milliarden Euro. Kuno Hottenrott, Leiter der Wiesbadener Tagung und Präsident der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft (dvs), kennt die finanziellen Probleme der Kommunen, will sie aber nicht aus der Verantwortung lassen. „Es muss mehr in die Köpfe der Kommunen, dass die Kosten für Fehlentwicklungen höher sind als die notwendigen Investitionen in Erhaltungsmaßnahmen für ihre Bäder.“ Soll heißen: Gesundheitspolitisch geht die Rechnung auf, intakte Schwimmbäder anzubieten. Hottenrott: „Schwimmen ist eine Kulturtechnik wie Schreiben und Lesen. Vor dem Hintergrund einer alternden (...) Gesellschaft wird es zur Pflicht, sich gesund zu halten. Hierfür ist das Schwimmen das geeignetste und preisgünstigste Mittel.“

In Offenbach etwa würde eine Investition in Sachen Schwimmbad bedeuten, die winterliche Traglufthalle des einzigen Bads auf der Rosenhöhe zu verlängern, um auch in der kalten Jahreszeit das 25-Meter-Nichtschwimmerbecken nutzen zu können. Matthias Wörner, Vorsitzender des betreibenden Vereins EOSC, hat ausgerechnet, dass die Maßnahme nicht mehr als 150.000 Euro kosten würde. Bis dies in der klammen Stadt umgesetzt wird, drängeln sich die Grundschüler weiter im Mini-Schwimmbad der Marienschule.

Süddeutsche Meisterschaft beim EOSC

re

Quelle: op-online.de

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