Staatlich reguliertes Glücksspiel boomt

Das Fass wieder aufgemacht

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Lotto Hessen fühlt sich durch Werbe- und Internetrichtlinien für staatliche Anbieter behindert. Während private Sportwettenanbieter unkontrolliert ihr Geschäft im Internet ausbauten (geschätzter Umsatz: vier bis acht Milliarden Euro), erzielte Oddset 2013 bundesweit nur noch 134 Millionen Euro.

Offenbach - Heinz-Georg Sundermann wusste gestern viel Positives zu berichten: Das staatlich regulierte Glücksspiel boomt, die Umsätze steigen. Und doch hat die Lotterie-Treuhandgesellschaft Hessen auch jede Menge zu kritisieren. Von Fabian El Cheikh 

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Und das tat der Geschäftsführer offen und direkt: „Der Glücksspielstaatsvertrag hat sein Ziel nicht erreicht, er muss dringend neu gefasst werden“, forderte Sundermann, wohlwissend, welches Fass er damit aufmacht – ist doch das Vertragswerk von Anfang an ein Problemkind der Bundesländer, das aufgrund EU-rechtlicher Bedenken seit Jahren überarbeitet wird.

Ein Ende des Geschachers ums staatliche Glücksspielmonopol und um die Zulassung privater Anbieter in dem Milliardengeschäft ist damit weiter nicht in Sicht. Dabei, machte Sunderland klar, sei eigentlich Eile geboten: „Der Gesamtglücksspielmarkt in Deutschland wächst stark an und liegt derzeit bei geschätzt mehr als 50 Milliarden Euro.“ Doch wüchsen vor allem die Umsätze der Spielhallen und illegalen Online-Anbieter. „Der Anteil des staatlich regulierten Glücksspielmarktes wird von Jahr zu Jahr geringer und liegt nur noch bei 12 bis 14 Prozent.“

20 private Anbieter sollen zugelassen werden

Konkret wirft Sundermann dem aus den Aufsichtsbehörden der Länder zusammengesetzten Glücksspielkollegium vor, die staatlichen Gesellschaften mit „überbordenden, marktausschließenden Auflagen“ zu überziehen, die „sich in wesentlichen Fragen nicht aus dem Glücksspielstaatsvertrag ableiten lassen“. Anders als es der Vertrag zulasse, dürfe Lotto Hessen aufgrund der Werberichtlinien des Kollegiums kaum für seine Angebote werben (dagegen hat die Gesellschaft schon vor einem Jahr Klage erhoben), zusätzlich müssten sich Kunden für die Lotto- und Oddset-Angebote im Internet umständlich über Post-Ident- oder Annahmestellen-Ident-Verfahren registrieren, um ihre Volljährigkeit zu beweisen. „Verständlich, dass sich der Verbraucher Angeboten zuwendet, die Altersverifikation und Spielsuchtprävention nicht kennen und von den Behörden auch nicht zur Einhaltung von Spielregeln aufgefordert werden.“ Diese Privaten leisteten darüber hinaus keine Abgaben fürs Gemeinwohl und erzielten so höhere Gewinne und „uneinholbare Margen“.

Dass das Konzessionsverfahren, bei dem Hessen erstmals 20 private Anbieter im Bereich der Sportwetten zulassen will, noch immer nicht abgeschlossen ist, bewertet Sundermann als geschäftsschädigend, da bis zum Ende des Verfahrens private Anbieter weiter ungebremst ihren Geschäftsmodellen nachgehen können. „Wir können nur zusehen, wie der milliardenschwere Schwarzmarkt unter den Augen der Glücksspielaufsichten blüht.“ Den Staatsvertrag brächten „handwerkliche Fehler“ wie die „rechtlich nicht haltbare Begrenzung der Sportwettlizenzen auf eine willkürliche Zahl von 20“ zum Scheitern, warnte der Geschäftsführer.

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Auch die hessische Landesstelle für Suchtfragen mahnt ein schnelles Verfahrensende an: „Wir müssen den Sportwettmarkt so schnell wie möglich regulieren“, betonte Suchtexpertin Daniela Senger-Hoffmann gestern auf Anfrage. Sie warnt das Land davor, sich auf Konzessionen allein zu beschränken: „Hessen muss wie andere Bundesländer auch die Zahl der Annahmestellen begrenzen.“ Solange es Wettbüros an jeder Ecke gebe, sei der Zugang zu potenziell abhängig machenden Spielformen zu leicht. „Bislang gibt es dazu aber keinerlei Äußerungen aus Wiesbaden.“

Quelle: op-online.de

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