Ohne Heizung in die Zukunft

Nach der Sanierung mit Passivhaus-Elementen geht kaum Energie verloren. Quelle: Passivhaus-Institut

Frankfurt/Rhein-Main - Eine Gruppe von 25 Kindern in einem Klassenraum produziert mehr Wärme, als man zum Heizen braucht.

Diese physikalische Erkenntnis macht sich ein Passivhaus zunutze. „Selbst wenn die Sonne nicht mehr aufgehen würde, funktioniert dieses Gebäude ohne Heizung bis in alle Ewigkeit.“ Mit diesen Worten beschreibt Diplom-Physiker und Energiewirt Axel Bretzke vom Hochbauamt der Stadt Frankfurt die Vorteile der Passivbauweise am Beispiel der Riedbergschule.

Bei der 13. Internationalen Passivhaus-Tagung informieren sich Experten aus der ganzen Welt in den Frankfurter Messehallen über diese Technik. Bei einer Ausstellung präsentieren Firmen aus der Branche ihre Produkte, diese ist auch für Besucher kostenlos zugänglich.

Nach Schätzung des Darmstädter Passivhaus-Instituts, Mitveranstalter der Tagung, werden weltweit bereits über 16 500 Passivhäuser bewohnt, davon mehr als 12 500 in Deutschland. Waren bei der ersten Tagung in Darmstadt einst 200 Gäste nur aus der Bundesrepublik dabei, sind es heute 1200 Teilnehmer aus 49 Ländern. Experten aus Albanien, Russland, Griechenland oder Japan kommen ins Rhein-Main-Gebiet, um sich diese Bauweise anzusehen.

„In diesem Winter sind zum ersten Mal Menschen erfroren, weil kein Gas geliefert wurde“, sagt Professor Wolfgang Feist, Gründer des Forschungsinstituts. „Das würde nicht mehr passieren, wenn die Gebäude ordentlich wärmegedämmt werden.“ Feist hat 1991 in Darmstadt das erste Passivhaus gebaut, das in diesem Jahr volljährig wird.

Auch die Stadt Frankfurt spielt auf dem Gebiet eine Vorreiterrolle. Im Jahr 2007 hat sich die Main-Metropole verpflichtet, neue städtische Gebäude nur noch als Passivhäuser zu bauen – nachdem bereits 1990 der Entschluss gefasst wurde, den CO2-Ausstoß im Stadtgebiet erheblich zu reduzieren.

Die Riedbergschule war im Jahr 2004 eine der ersten Schulen in Europa, die nach diesem Prinzip gebaut wurde. Die Heizkosten für den gesamten Komplex mit Grundschule und Kindertagesstätte für 520 Kinder sowie einer Turnhalle belaufen sich nach Angaben der Stadt auf etwa 5 000 Euro pro Jahr. Zum Vergleich: Für ein Gebäude nach Energiesparverordnung fallen mehr als 50 000 Euro an.

„Auch nach den Winterferien ist die Temperatur nicht unter 15  Grad gefallen“, berichtet Axel Bretzke. Obwohl in dieser Zeit keine Nutzer im Gebäude waren und auch nicht geheizt wurde. Im Sommer werde es in der Schule natürlich sehr warm, das Problem gelte für alle Bauweisen. Durch die stärkere Dämmung steigt die Temperatur im Passivhaus aber nicht höher als 28 Grad. „Es sei denn, jemand öffnet bei 30 Grad Außentemperatur das Fenster“, sagt Bretzke.

Eine zweite Schule sowie mehrere Kitas im Passivhaus-Standard sind bereits gebaut, weitere Projekte in Planung. So sollen 27  neue Turnhallen errichtet werden, die marode Gebäude aus den sechziger Jahren ersetzen.

Aber nicht nur öffentliche Gebäude, auch etwa 800 Wohnungen nach Passivhaus-Standard sind in Frankfurt bereits fertiggestellt worden. Bis 2013 will das städtische Immobilienunternehmen ABG Frankfurt Holding 1 300 Passivhaus-Wohnungen realisieren. „Das Öl wird wieder teurer werden“, ist Geschäftsführer Frank Junker überzeugt. In einer 100-Quadratmeter-Wohnung fallen im Passivhaus nur acht Euro Heizkosten im Monat an, rechnet er vor – statt 100 bis 150 Euro.

Nachteil der Passivbauweise war bisher, dass die Temperatur in allen Räumen gleich hoch war, egal ob im Keller oder unter dem Dach. Bewohner erzählen, dass sie im Keller nicht lange Wein oder Kartoffeln lagern können, weil dort die gleiche Temperatur herrscht wie im Wohnzimmer: 20 bis 22 Grad. Bei neueren Projekten sei das Problem behoben, sagt Junker, und die Temperatur lasse sich raumweise regulieren wie bei herkömmlichen Wohnungen auch.

Die Passivhäuser in Frankfurt sind im Klimaschutzstadtplan verzeichnet(www.stadtplan. frankfurt.de/klimaschutz). Das Energiereferat stellt außerdem ein Berechnungsschema zur Verfügung, mit dem die Kosten eines Passivhauses mit denen eines Standardhauses verglichen werden können. Ein Excel-Tool des Hochbauamts hilft, die Wirtschaftlichkeit von Neubau- und Sanierungsmaßnahmen zu überprüfen. (www.stadt-frankfurt.de)

Die Ausstellung in Halle 5.1 der Messe Frankfurt ist heute von 9 bis 17 Uhr geöffnet.

Von 6. bis 8. November öffnen Bewohner von Passivhäusern ihre Türen für Besucher. Weitere Informationen unter www.ig- passivhaus.de

Quelle: op-online.de

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