Ohne Rückflugticket

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Ein Chamäleon wartet in der „Animal Lounge“ von Lufthansa Cargo auf seine Untersuchung durch einen Veterinär. Tiere, Handys oder Blumen gehören zu den wertvollen Frachtstücken, die am Frankfurter Flughafen ankommen.

Frankfurt - Der Transport von A nach B ist noch immer das A und O. Die Rede ist von der Logistik. Am Frankfurter Flughafen, dem zweitgrößten Frachtflughafen Europas und dem siebtgrößten der Welt, gilt das ganz besonders. Von Jens Dörr

Unter anderem das veranschaulichte eine „Airport Cargo Night“ an Deutschlands größtem Arbeitsplatz, an dem 71.000 Menschen tätig sind und der damit selbst das Wolfsburger VW-Werk (50.000 Beschäftigte) deutlich in den Schatten stellt.

Sicherheit schreiben am Flughafen dabei alle groß, angemeldeter Besuch hin oder her. Für Zoll und andere Dienstleister ist „Sicherheit“ an der deutschen Mega-Drehscheibe ohnehin das elektrisierende Wort - was in Frankfurt ankommt, wird kontrolliert. Unter anderem 1000 Zollbeamte sind es, die checken, was da so in den Kisten liegt oder gar kreucht und fleucht: Expressfracht, Kühlkost, Luftpost, Tiere oder Gefahrgut.

Flugzeuge transportieren hochwertige Güter

Vom Gesamtgewicht ausgehend würden nur 0,8 Prozent aller Güter mit dem Flugzeug transportiert, sagt ein Fraport-Sprecher inmitten des Lichtermeers, das der Frankfurter Flughafen nachts erzeugt. Allerdings: Diese 0,8 Prozent machen 35 Prozent des Warenwerts aus. Flugzeuge transportieren hochwertige Dinge wie Handys, Blumen oder Tiere.

Letztere landen nach ihrer Ankunft am Frankfurter Flughafen in der „Animal Lounge“. Frankfurts zweiter Zoo, könnte man angesichts der fast 4.000 Quadratmeter Gesamtfläche beinahe meinen. 42 Großtierställe und 39 Kleintierboxen sorgen für eine angemessene und ausreichende Unterkunft für den Übergang. Vögel sind in speziellen Volieren untergebracht. Damit Eisbären nicht schwitzen und Nashörner nicht frieren, sind die Klimakammern variabel temperierbar. Zwölf unterschiedliche Temperaturen lassen sich dort erzeugen. Vom Bienenvolk bis zum Zebra ist dort fast jede Spezies einmal anzutreffen - alleine rund 1800 Pferde warten in der Frankfurter „Animal Lounge“ jährlich auf ihre Weiterreise. Jedes Tier wird dabei auf seinen Gesundheitszustand untersucht - bei Würmern oder Zierfischen, die mehr als die Hälfte aller Exemplare ausmachen, beschränkt sich die Kontrolle freilich auf Stichproben.

Blumen wichtiges Transportgut

Zentrale Funktion hat Frankfurt, das als tierisches Eintrittstor für die Europäische Union gilt, aber nicht nur bei der Fauna. „Blumen sind ein ganz wichtiges Transportgut für uns“, heißt es bei Fraport, deren Tochter Fraport Cargo Services sämtliche Dienstleistungen rund um die Luftfracht realisiert. Zeitungen, Textilien, Maschinen, Angelwürmer, Bullen-Sperma - es gibt fast nichts, was nicht transportiert wird.

Im „Perishable Center“, dem Mega-Kühlhaus mit seinen 9.000 Quadratmetern, wartet neben dem Seewolf noch viel anderes Schuppiges auf die Gourmets. Für frischen Fisch stellt Frankfurt den größten Umschlagsplatz der Republik dar - noch vor Hamburg. Das hat für hiesige Fischfreunde den netten Nebeneffekt, dass hier in der Region der frischeste Fisch Deutschlands erhältlich ist.

Teilweise 40 Prozent Rückgang der Frachtmenge

Nichtsdestotrotz kann dies alles nicht über eine gewisse Krisenstimmung im Frachttransport hinwegtäuschen, die die Fraport auch nicht beschönigt: Die Frachtmenge ist zuletzt dramatisch eingebrochen, bei manchen Gütern wird derzeit 40 Prozent weniger transportiert als noch vor Beginn der Wirtschaftskrise. Zudem fliegen zwar die Waren durch die Luft, die Preise indes bleiben am Boden oder sinken gar in den Keller: Mit etwa zehn Cent pro Kilogramm Luftfracht, die von Frankfurt nach China geflogen wird, lässt sich nur wenig verdienen. Der 20-Gramm-Brief ist da ein Vielfaches teurer. Kein Wunder, dass man bei Fraport auf Verknappung der Kapazitäten setzt, auch wenn der Markt derzeit wieder leicht anzieht.

„Fracht kotzt nicht, Fracht motzt nicht.“

So merkwürdig es klingt: Eine steigende Passagierzahl und damit mehr Personen-Flüge würde dieser Verknappung entgegenwirken - denn die Hälfte der Fracht wird mit Passagierflugzeugen transportiert. Mit einem Unterschied zum Menschen: Fracht braucht keinen Rückflug, was hohe Anforderungen an Organisation und Wirtschaftlichkeit stellt. Zumindest aus Pilotensicht hat die Ware aus deutschen Landen aber doch einen Vorteil gegenüber der ungeduldigen Großfamilie in der Economy Class: „Fracht kotzt nicht, Fracht motzt nicht“, sagt ein Sprichwort.

Quelle: op-online.de

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