Tunnel wird vier Wochen lang gesperrt

Ohne S-Bahn in Frankfurt - das sind die Alternativen

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Umsteigen von der S-Bahn auf die Regionalbahn, die U-Bahn oder den Bus. So sehen die Verbindungen vom 25. Juli bis zum 25. August aus. Der gesperrte S-Bahntunnel ist mit roten Kreuzen markiert. Das Bild in Vollansicht.

Frankfurt - Die Sommerferien rücken näher. Aber nicht jeder kann dieser Zeit entspannt entgegenblicken. Auf Pendler, die auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen sind sowie auf die Verkehrsplaner von Bahn, RMV und Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VgF) kommen bewegte Wochen zu. Der 6,4 Kilometer lange S-Bahntunnel wird für vier Wochen voll gesperrtVon Michael Eschenauer

Vom 25. Juli bis zum 25 August richtet die Deutsche Bahn ein neues elektronisches Stellwerk unter dem Hauptbahnhof ein. Unvermeidbar: eine Totalsperrung des „Rückgrats im regionalen Nahverkehr“, so RMV-Chef Knut Ringat. Unvermeidbar ebenfalls: eine tiefgreifende Umleitung wichtiger S-Bahnverbindungen. Die betroffene „Tunnelstammstrecke“ zwischen Frankfurt-Hauptbahnhof und Frankfurt-Mühlberg bzw. Frankfurt-Lokalbahnhof gehört mit 24 S-Bahnzügen pro Stunde und Richtung zu den meistbefahrenen Strecken Deutschlands. Alle Linien außer der S7 müssen dieses Nadelöhr passieren. Bis 2018 will man mit dem Umbau fertig sein. Vorher müssen allerdings vier Totalsperrungen in den Sommer-Schulferien 2015, 2016 und 2018 sowie in den Osterferien 2016 organisiert werden. Hinzu kommen die seit dem Baubeginn Mitte Dezember vergangenen Jahres laufenden nächtlichen Bauarbeiten. Betroffen von der Baumaßnahme sind 100. 000 S-Bahnnutzer pro Tag. U-Bahnen Busse und Straßenbahnen sind von der Totalsperrung nicht direkt beeinträchtigt - sie werden allerdings brechend voll sein.

„Es ist unser Ziel, die Kunden auch während dieser Zeit komfortabel mit dem RMV zu befördern“, sagte gestern Klaus Vornhusen, Konzernbevollmächtigter der Bahn in Hessen, bei der Vorstellung des neuen Verkehrskonzepts. Der Lohn für die zumindest in der Startphase unvermeidlichen Behinderungen seien am Ende mehr Fahrplanstabilität und Pünktlichkeit. Zudem sei der Wechsel weg von der aus den 70er Jahren stammenden Stellwerkstechnik hin zu digitaler Technik wichtig, um Ersatzteilprobleme zu vermeiden. Ringat nannte in diesem Zusammenhang auch die Ausweitung von Kapazitäten, zum Beispiel für die nordmainische S-Bahn, die ohne die Modernisierung - das Kostenvolumen liegt bei 95 Millionen Euro - nicht zu leisten sei.

„Das Netz hält“

Nach Angaben von Stefan Majer, Verkehrsdezernent der Stadt Frankfurt, bewegen sich von den insgesamt rund 280 Millionen registrierten Einzelfahrten mit Bus oder Bahn jährlich in Frankfurt insgesamt 60 Millionen durch den City-Tunnel. Der Grünen-Politiker hält die geplante Regionaltangente West sowie Buslinien, die tangential rund um die Mainmetropole angelegt sind, für unverzichtbare Bypässe im öffentlichen Nahverkehr.

„Das Netz hält“, versprechen Ringat, Vornhusen und Majer. So können die Stationen Taunusanlage, Hauptwache, Konstablerwache, Ostendstraße und Lokalbahnhof zwar nicht mehr mit der S-Bahn erreicht werden. Die Frankfurter Innenstadt werde aber vom Frankfurter Hauptbahnhof, von Frankfurt-Süd und Frankfurt-Ost mit U- und Straßenbahnen erschlossen. Diese Stationen selbst seien auch weiterhin das Ziel von S-Bahnen und Regionalzügen. Grundsätzlich sei jede während der Sperrung nicht bediente S-Bahnstation mit U-Bahn oder Straßenbahn zu erreichen. Einzige Ausnahme ist die Taunusanlage. Sie aber liege immerhin in Sichtweite der Station Alte Oper.

„Unser Ersatzkonzept sieht unter anderem vor, dass S-Bahnen über Regionalzugstrecken umgeleitet werden und dass DB-Fernverkehrszüge wie ICE und IC zwischen Hanau und Frankfurt mit RMV-Fahrkarten genutzt werden können“, kündigt Vornhusen an. Auch das Semesterticket für Studierende gilt hier, nicht allerdings das Hessenticket. Außerdem werden 2000 Fahrräder des Angebots „Call a bike“ zusätzlich zur Verfügung gestellt. Zudem wird dieses Angebot vorübergehend attraktiver gestaltet.

Region Offenbach: So komme ich ans Ziel

Grundsätzlich gilt folgendes: Die S-Bahnstrecke zwischen Offenbach-Ost und Frankfurt ist ab dem Kaiserlei unterbrochen. Die Offenbacher Innenstadt wird aus Richtung Offenbach-Ost mit der S-Bahn angebunden. Es fahren zwei S-Bahnen pro Stunde über Offenbach-Hauptbahnhof und Frankfurt-Süd direkt nach Frankfurt-Hauptbahnhof.

  • Fahrgäste aus Richtung Darmstadt/Langen sollten mit der S3 beziehungsweise S4 bis Frankfurt-Süd fahren. Ab Frankfurt-Süd dann weiter Richtung City mit U1/2/3/8. Richtung Frankfurt-Hauptbahnhof/Offenbach/Hanau kommen sie mit dem Regionalverkehr und der S1. In Richtung Wiesbaden/Taunus bieten sich Regionalverkehr und S1 nach Frankfurt-Hauptbahnhof an.
  • Von Hanau aus nutzt man am besten den Regionalverkehr nach Frankfurt-Süd oder Frankfurt-Hauptbahnhof. Von Mühlheim fährt man mit der S9 über Offenbach-Ost, dann weiter mit der S1 nach Frankfurt-Süd oder Frankfurt-Hauptbahnhof oder mit der S9 nach Hanau und dann weiter mit dem Regionalverkehr nach Frankfurt-Süd oder Frankfurt-Hauptbahnhof. Von Rödermark bietet die S1 über Offenbach-Ost eine Verbindung nach Frankfurt-Süd oder Frankfurt-Hauptbahnhof.
  • Von Dietzenbach erreicht man mit der S2 über Offenbach-Bieber die Anbindung an die S1, oder man fährt mit der S2 bis Offenbach-Kaiserlei und dann weiter mit dem Bus.
  • Von Offenbach-Markplatz gelangt man über Offenbach-Hauptbahnhof mit dem Regionalverkehr nach Frankfurt-Süd. Von Offenbach-Kaiserlei geht ein Busverkehr nach Frankfurt-Ost oder Zoo. Danach geht es weiter mit der U6 oder U7.
  • Von Offenbach-Ost kann man mit der S1 nach Frankfurt-Süd gelangen oder mit der S2 nach zur Station Offenbach-Kaiserlei fahren. Weiter geht es von hier aus mit dem Bus nach Frankfurt-Ost beziehungsweise Zoo. Eine weitere Möglichkeit besteht von Offenbach-Kaiserlei mit dem Bus nach Frankfurt-Ost oder Zoo und dann weiter mit der U6 oder der U7 Richtung Hauptwache. Hier werden sechs Fahrten pro Stunde mit dem Gelenkbus angeboten.

Wichtige S-Bahn-Verbindungen für die Region

  • S1: Sie fährt auf den Abschnitten Frankfurt-Hauptbahnhof – Wiesbaden und Frankfurt-Hauptbahnhof – Rödermark-Ober-Roden halbstündig. Sie wird auf dem Abschnitt Frankfurt-Hauptbahnhof – Offenbach-Ost über Frankfurt-Süd umgeleitet und hält in Fahrtrichtung Ober-Roden zusätzlich in Offenbach-Hauptbahnhof. Am Frankfurter Hauptbahnhof ist ein Umstieg zwischen dem S1-Pendelverkehr aus und in Richtung Wiesbaden im Tiefbahnhof und dem S1-Pendelverkehr von den oberirdischen Gleisen möglich.
  • S2: Während der Sperrung fährt die S2 halbstündig auf den Abschnitten Frankfurt-Hauptbahnhof – Niedernhausen und Dietzenbach – Kaiserlei (25.7. bis 7.8.) beziehungsweise Dietzenbach – Mühlberg (8.8. bis 25.8.). Am Kaiserlei besteht Anschluss an eine Ersatzbuslinie nach Frankfurt Ostbahnhof und Zoo. Zusätzlich fährt die S2 montags bis freitags von 6 bis 9 Uhr sowie von 16 bis 19 Uhr zwischen Dietzenbach und Offenbach-Hauptbahnhof. Von diesen Fahrten besteht in Offenbach-Bieber Anschluss an die S1 zur Weiterfahrt nach Frankfurt-Hauptbahnhof.
  • S8: Sie fährt halbstündig zwischen Wiesbaden und Frankfurt-Hauptbahnhof. Zwischen Frankfurt und Offenbach fahren alternativ Regional- und Fernverkehrszüge sowie die S1.
  • S9: Sie verkehrt halbstündig zwischen Wiesbaden und Frankfurt-Hauptbahnhof sowie zwischen Hanau und Offenbach-Kaiserlei (25.7. bis 7.8.) beziehungsweise Frankfurt-Mühlberg (8.8. bis 25.8.). Zwischen Offenbach-Ost und Frankfurt-Flughafen, Terminal 1 wird ein Ersatzbus eingesetzt, der ohne Zwischenhalt unterwegs ist. Zusätzlich besteht am Kaiserlei Anschluss an eine Ersatzbuslinie über Frankfurt-Ostbahnhof zum Frankfurter Zoo. An beiden Stationen kann in die U-Bahn umgestiegen werden.

Alternative U-Bahnen

Die S-Bahnen fahren trotz Sperrung so häufig und mit so vielen Wagen wie nur möglich, versprechen die Verkehrsplaner. Der Regionalverkehr ist von den Bauarbeiten nicht betroffen und bietet eine Alternative.

Gute Verbindungen schaffen die U-Bahnen. So wird ein Zweieinhalb-Minuten-Takt vom Südbahnhof zur Hauptwache mit U1, U2, U3 und U8 aufgebaut. Die U4 mit Raum für 700 Personen pro Zug verkehrt zwischen Hauptbahnhof, Willy-Brandt-Platz und Konstablerwache alle fünf Minuten. U6 und U7 fungieren als „Anschlussbahnen“ für den Bus-Ersatzverkehr vom Kaiserlei zum Zoo. Die Buslinie 61 verkehrt mit Gelenkbussen zwischen dem Flughafen und dem Südbahnhof.

Die Fahrplanänderungen sind bereits in der elektronischen Verbindungsauskunft auf www.rmv.de und www.bahn.de eingearbeitet. Umfassende Informationen rund um die Baustelle, über das aktuelle Geschehen im Tunnel sowie zum Fahrtenangebot einschließlich Ersatz- und Zusatzverkehre gibt es auch unter www.sbahnbaustelle.de.

Neue S-Bahn in Frankfurt vorgestellt

Quelle: op-online.de

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