„Ohne AKW wird‘s dunkel“

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Ein wenig Rückenwind war schon nötig, um gestern eine Protestaktion für den Weiterbetrieb des Kernkraftwerks Biblis auf die Beine zu stellen. Dabei marschierten mehr als eintausend Auszubildende des Energieversorgers RWE vom Atomkraftwerk in den benachbarten Ort Biblis. Mit ihrer Aktion wollten sie ein Zeichen für die Nutzung der Atomenergie setzen. Die Anfahrt zur Demo wurde von RWE bezahlt, die Azubis erhielten dafür einen freien Tag.

Biblis - Mit Sprüchen wie „Ohne AKW wird's dunkel“ und „Abschalten? Wir sind doch nicht blöd“ haben Auszubildende der Energiewirtschaft am Freitag in Biblis für die Nutzung der Atomkraft demonstriert.

Bei der Aktion wurden einige Gegendemonstranten bedrängt. Aus dem Zug heraus flogen Äpfel und leere Kunststoff-Flaschen Richtung Kameraleute. Außerdem rissen Demonstranten mehrere Plakate der Grünen ab. Die Polizei schätzte die Teilnehmerzahl auf 1.200 bis 1.500.

Die Demonstration mit anschließender Kundgebung stand unter dem Motto: „Biblis - Kernig in die Zukunft“. Aufgerufen hatten die Auszubildenden des Energiekonzerns RWE, viele Teilnehmer kamen mit Bussen. Dazu gehörten nach Darstellung der Veranstalter auch Angehöriger anderer Energieunternehmen. Insgesamt verlief die Veranstaltung laut Polizei friedlich. Es sei eine leere Flasche ungezielt geworfen worden. Den Demonstranten ging es nach Mitteilung von RWE um die Sicherheit des Atomstandorts Biblis mit 700 Arbeits- und 52 Ausbildungsplätzen, aber auch um die Zukunft der Arbeitsplätze in der gesamten Energiewirtschaft.

Ministerpräsident Roland Koch hält Kernenergie für unverzichtbar

Ministerpräsident Roland Koch ( CDU ) war zur Kundgebung gekommen. Die große Zahl der Demonstranten sei ein Zeichen, dass sich die jungen Menschen „in eine gesellschaftliche Diskussion einbringen wollen, die in der Öffentlichkeit meist nur sehr einseitig geführt wird“, zitierte RWE den Regierungschef. Koch betonte, auf absehbare Zeit könne ein Industrieland wie Deutschland niemals auf Strom aus Kernenergie verzichten, ohne wirtschaftlich zurückzufallen. Auch RWE-Chef Jürgen Großmann lobte nach Darstellung des Unternehmens das Engagement der Auszubildenden.

Kritik von SPD und Grüne: „Menschlicher Schutzschild“

SPD und Grüne kritisierten die Aktion. Der hessische SPD-Generalsekretär Michael Roth erklärte, wenn es um den Weiterbetrieb von Atomkraftwerken mit ihrer Hochrisikotechnologie für Mensch und Natur gehe, sei Koch jedes Mittel recht, auch der Einsatz von Auszubildenden des Biblis-Betreibers RWE. Es mute „wie ein menschlicher Schutzschild für die Atomreaktoren an, wenn man einige hundert junge abhängig Beschäftigte vor dem Kraftwerk aufmarschieren lässt“.

Beide Biblis-Blöcke stehen derzeit für Wartungsarbeiten still, sollen aber schon im Herbst wieder Strom ins Netz einspeisen. Biblis A ist mit 35 Jahren der älteste noch laufende Meiler in Deutschland, Block B ist zwei Jahre jünger. Beide Blöcke sollten bald endgültig abgeschaltet werden. RWE bemüht sich um längere Laufzeiten.

dpa

Quelle: op-online.de

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