Olaf Schubert in der Jahrhunderthalle

Im Windschatten der Harmlosigkeit

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Olaf Schubert

Frankfurt - Olaf Schubert ist ein Rätsel. Er ist nicht dezidiert politisch, aber kein unpolitischer Spaßmacher. Er kratzt an heiklen Themen, ist aber nicht oberflächlich. Von Carsten Müller

Die Fallhöhe zwischen dem Unbedarften und dem Abgründigen macht seine Gastspiele, wie jetzt in der proppenvollen Frankfurter Jahrhunderthalle, so anziehend. In Begleitung des Trompete und Bass spielenden Bert Stephan sowie des Gitarristen Jochen Barkas hangelt sich der selbst ernannte Betroffenheitslyriker von der Müslizubereitung („Wenn ich koche, dann werden das keine Festmahle, sondern Mahnmale“) bis zur Erektionsstörung. Zwischendurch streift er Pegida-Phänomen („Muselmanengruseln“), IS-Terror und Krim, Weltfrauentag und Medienkritik, Globalisierung und Kirche („Die Katholiken sind erfolgreicher, sie haben mehr in den Nachwuchs gesteckt“). Aktuelle politische Entwicklungen wie die Frauenquote arbeitet er spontan ein. Und er singt, mehr schlecht als recht, in einer mitunter ohrenbetäubenden Liedermacher-Persiflage, über Obst, Ehrlichkeit und Madeleen sowie über Ronny, der ins Netz gegangen ist.

Schubert liefert die Karikatur eines Deutschen aus ostdeutscher Perspektive. Dazu gehört der belehrend erhobene Zeigefinger („so lange ihn die Muskeln tragen“) wie die linkische Art, die der Mann mit Fusselhaaren und Siebziger-Jahre-Rauten-Pullunder perfekt kultiviert hat. Wenn er in Rage gerät („Ich bange hier head, dass mir der Scheitel aus der Ondulation flanscht“) oder in der Verballhornung eines Gitarrensolos die Trittleiter besteigt, die er mit einem verzagten Hüpfer wieder verlässt, ist auch das ein Spiel mit der scheinbaren Harmlosigkeit, in deren Windschatten gnadenlose Botschaften verbreitet werden - wie diese zum Thema moderne Kommunikation per WhatsApp: „Heil Hitler und dahinter ein Smiley. So sind die Sachsen“ Der Mann kann brutal direkt sein.

Quelle: op-online.de

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