Ein Lob dem Ehrgeiz

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Wolfgang Roitzheim fing ganz unten an.

Frankfurt - Der frühere Top-Manager in einem Versicherungskonzern und Workaholic Wolfgang Roitzheim schien im September 2006 vor dem Nichts zu stehen: Im Jahre 1995 hatte er schon zwei Infarkte überstanden, zehn Jahre danach wurde er zwei Mal an einem Blasenkarzinom operiert. Von Michael Eschenauer

Dann folgte im Spätsommer 2006 die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs. „Ich kenne mich aus im Geschäft der Krankenversicherungen und wusste gleich, dass hier die Überlebenschance unter fünf Prozent liegt“, erinnert sich der 67-jährige „Unruheständler“ heute. Mit Sport hatte der Mann mit einem 16-Stunden-Arbeitstag damals noch nichts am Hut. „Das Äußerste war das Verfolgen der Sportschau im Trainingsanzug“, lacht er. Nach der niederschmetternden Diagnose setzte der einstige Kettenraucher (50 bis 60 Stück täglich) und stark Übergewichtige auf den Sport.

Auf Empfehlung der Ärzte im Nordwestkrankenhaus begann Roitzheim mit einem anfangs milden Training, das er sich selbst zusammenstellte und nach und nach intensivierte. Der Genesende, der sich geschwächt durch die Operationen anfangs nur mit einem Rollator vorwärtsbewegen konnte, verdankt dem Sport Kondition und einsetzenden Ehrgeiz. „Der Rest ist ein Selbstläufer. Man muss die Krankheit annehmen, offen mit ihr umgehen und einen eigenen Betrag zur Heilung einbringen“, sagt er. „Der Mensch hat kein Recht auf Glück. Man muss schon selbst was dafür tun. Der Sport hat mir als Gegengewicht zu den oft deprimierenden Bildern in den Kliniken erste Erfolgserlebnisse geschenkt und großen Anteil an meiner Rückkehr ins normale Leben“, berichtet Roitzheim.

Heute fährt der Inhaber einer Beratungsfirma täglich 15 bis 20 Kilometer Fahrrad und spielt dreimal in der Woche Tennis. 32 Tabletten täglich muss er schlucken, fünf Organe wurden ihm herausgenommen. Aber er sagt: „Meine Lebensqualität ist heute höher als je zuvor.“

Quelle: op-online.de

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