Das beste Auto

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Opel-Freunde geben dem Konzern grünes Licht.

Rüsselsheim - Die gelbe Klebefolie „Yes we can, auch ohne GM“ war erst in der Nacht fertig geworden, kurz bevor Patrick und Kai-Uwe um halb sechs früh mit ihrem schwarzen 2001er Opel Astra zum Nürburgring starteten. Von Julia Kilian (dpa)

„So 'ne große Firma lässt man nicht einfach pleite gehen“, sagt der 21-Jährige Patrick, dessen Vater und Freunde bei Opel arbeiten. Sie schlossen sich am Samstag den ersten Fahrern des Solidaritäts- Konvois nach Rüsselsheim an. 3500 Opel-Fans protestierten mit rund 1 000 Fahrzeugen auf dem Parkplatz des Adam-Opel-Hauses gegen den drohenden Untergang des angeschlagenen Autobauers.

Angestellte, Freunde und Kunden des Traditionsunternehmens protestierten am Samstag in Rüsselsheim gegen die Schließung von Opel. 

„Es sind jede Menge mehr als erwartet“, freute sich Organisatorin Katharina Klenke. Als ihr Freund vor einigen Wochen seinen Job in einer Zulieferfirma verlor, dachte sich die dreifache Mutter „jetzt reicht's“ und rief mit Freunden über das Internet die Initiative Opel-Konvoi 2009 ins Leben. „Das hier ist für mich das Sinnbild dafür, wie tief die Marke Opel im Volk verankert ist“, sagt Klaus Franz, Opel-Gesamtbetriebsratschef auf dem Werksgelände. Auch Opel-Chef Hans Demant ist begeistert: Die Unterstützung gebe ihnen das Selbstvertrauen, weiter nach vorne zu kämpfen. Zwischen Corsa, Commodore und Zafira kommt auch Jochen Schuy in seinem kiwigrünen Manta A auf dem Opel-Gelände an. Den Wagen Baujahr 1973 hat er vom Motor bis zur Karosserie jahrelang generalüberholt. Seine drei anderen Mantas mussten dafür das ein oder andere Ersatzteil opfern. „Opel soll wieder ein eigenständiger Betrieb werden, möglichst deutsch oder europäisch“, damit er auch weiter günstige und gute Ersatzteile für seinen Manta bekommt. „Weil's das beste Auto ist“, fährt „Bommel“ Dominik Nebel seit vier Wochen einen A-Vectra. Seinen Kapuzenpulli übers Gesicht gezogen steht der 18-Jährige breitbeinig und stolz neben seinem Prachtexemplar in Kanariengelb - getunt mit Heckspoiler und Sportspiegeln. Erhalten bleiben muss der Konzern für ihn, damit er noch „bessere Nockenwellen“ einbauen kann. Nicht nur Opel-Fans, auch Mitarbeiter unterstützten den Konvoi: „Da müssen wir was tun, wenn die unseren Laden dicht machen“, sagt Helmut Happel, seit 30 Jahren „Opelaner“. Mit Frau Christa steht er im Regen vor dem „Grünen Blitz“, einem Opel Rekord D in knallgrüner Signalfarbe aus dem Jahr 1974. Melancholisch blickt auch Peter Grischler auf den Opel GT neben sich: „Ich war 45 Jahre bei Opel, mit Überstunden 52 Jahre“, sagt der 74-Jährige, während er den einen Ärmel schon im gelben Fan-Shirt stecken hat. Jetzt prahlt auf seiner Brust der Spruch des Tages: „Wir sind Opel.“

Quelle: op-online.de

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