Letzte Hoffnung Uniklinik

Operation zu Weihnachten

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Die 13-jährige, an einer Skoliose leidende Nadyia Kachmar wird von ihrer Mutter getröstet und beruhigt. In wenigen Stunden wird Professor Michael Rauschmann (links) das Mädchen an der Wirbelsäule operieren.

Frankfurt - Die Wirbelsäule von Nadyia Kachmar ist massiv verkrümmt. Dem ukrainischen Mädchen drohen schwere Folgeschäden. Ihre letzte Hoffnung ist eine Operation an der Frankfurter Uniklinik. Von Christian Riethmüller

Die 13-jährige Nadyia ist an diesem Montagnachmittag aufgeregt und ängstlich zugleich. Tränen stehen dem schmalen Mädchen in den Augen. Gerade hat sie mit dem Anästhesisten der Orthopädischen Universitätsklinik Friedrichsheim in Frankfurt gesprochen. Er wird Nadyia in wenigen Stunden betäuben. Dann beginnt die große Operation, die der jungen Ukrainerin ein beschwerliches Leben voller Hindernisse und Leid ersparen soll. Nadyia hat eine Skoliose. Ihre Wirbelsäule weist eine Verkrümmung von 80 Prozent auf. Eine konventionelle Therapie, etwa die Kräftigung der Muskulatur, kann hier nichts mehr ausrichten. Die genetisch bedingte Erkrankung schreitet zudem voran. Folgeschäden, beispielsweise an der Lunge, sind unausweichlich. Außerdem würde sich bei dem hübschen Mädchen über kurz oder lang ein Buckel bilden, der es nicht nur körperlich, sondern auch mental belasten würde.

Nadyias letzte Hoffnung ist daher eine Operation, die Professor Michael Rauschmann, dem Ärztlichen Leiter der Abteilung Wirbelsäulenorthopädie an der Uniklinik, vornimmt. Fünf bis sechs Stunden wird der Eingriff dauern, der alles andere als ein Spaziergang ist, wie Michael Rauschmann berichtet. Der Orthopäde muss die Gelenke von Nadyias Wirbelsäule öffnen und diese mit Stiften stabilisieren. So wird die Verkrümmung aufgerichtet. Da der mit dem Elektromesser durchgeführte Eingriff direkt am Rückenmark erfolgt, werden mittels Neuromonitoring ständig die Nervenbahnen kontrolliert, um die Gefahr einer Lähmung auszuschließen.

Rauschmann hat diese schwierige Operation schon öfter mit Erfolg abgeschlossen, was auch ein Grund dafür ist, warum Nadyia und ihre Mutter, die ebenfalls Nadyia heißt, vom westukrainnischen Lwiw (dt.: Lemberg) nach Frankfurt gekommen sind. Lange hatte die Familie nach der passenden Behandlung für das Mädchen gesucht, war bei Ärzten in der Ukraine, in Polen, in den USA und in Estland, bevor ihr die Frankfurter Klinik empfohlen wurde. Im Mai dieses Jahres gab es ein erstes Vorgespräch, seitdem war man in Kontakt.

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Ein entscheidendes Hindernis waren die hohen Kosten der Operation. Normalerweise würde der mehrstündige Eingriff mindestens 50.000 Euro kosten, sagt Michael Rauschmann. Dazu kämen noch die Kosten für den Krankenhausaufenthalt. Obwohl Nadyias Familie alles Geld zusammengekratzt hat, das sie auftreiben konnte und auch von in den USA lebenden Verwandten unterstützt wird, reichte es nicht. Daher entschlossen sich die behandelnden Ärzte, in Nadyias Fall auf ihr Honorar zu verzichten. Außerdem kommt die Klinik der Familie entgegen und berechnet nur einen Basissatz. Etwa 25 000 Euro wird die Familie Kachmar nun für Nadyias Behandlung bezahlen müssen. Nach der Operation verbringt die 13-Jährige noch bis zu 14 Tage in der Uniklinik, bevor sie wieder nach Hause reisen kann - gerade rechtzeitig zum Weihnachtsfest, das in der orthodoxen Ukraine am 6. Januar gefeiert wird.

Quelle: op-online.de

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