Auf Opfer eingehackt

Darmstadt - In Panik flüchtende Menschen, Eltern, die in ihrer Hast Kinder wie Puppen hinter sich herschleifen: Nach den tödlichen Schüssen in einem Rüsselsheimer Eiscafé im vergangenen Sommer herrschte blankes Entsetzen. „Die Gruppe der Gäste ist förmlich auseinandergespritzt“, sagte ein Zeuge gestern vor dem Landgericht Darmstadt. Von Joachim Baier (dpa)

In dem seit gut einem Monat laufenden Mordprozess müssen sich drei Männer türkischer Herkunft im Alter von 23, 29 und 32 Jahren verantworten. Sie sollen für den Tod von drei Menschen verantwortlich sein, darunter einer unbeteiligten Frau. Motiv für die Auseinandersetzung soll ein Machtkampf unter Türstehern von Diskotheken im Rhein-Main-Gebiet gewesen sein.

Der Zeuge war am 12. August 2008 am Eiscafé vorbeigekommen. Da er in Erster Hilfe ausgebildet ist, kümmerte sich der 55 Jahre alte Lagerarbeiter trotz der Gefahr um eines der am Boden liegenden Opfer.

Der Mann schilderte, wie er dem Schwerverletzten den Puls fühlte und den Liegenden anzusprechen versuchte. Plötzlich sei ein jüngerer Mann aufgetaucht und habe mit einem langen Messer auf das Opfer „vier- bis fünfmal“ förmlich eingehackt. Er sei zurückgewichen, da er um sein Leben fürchtete. „Ich dachte, der sticht mich auch noch ab.“ Der Täter sei dann weggerannt.

In dem noch bis mindestens Ende Juli terminierten Prozess muss das Schwurgericht unter Vorsitz von Volker Wagner mehrere Dutzend Zeugen vernehmen. Manche geben an, sich an das eigentliche Geschehen nicht mehr genau erinnern zu können. Dabei steht oft der Verdacht im Raum, Zeugen könnten eingeschüchtert worden sein.

Vorsitzender Wagner bemüht sich, die Anspannung zu nehmen. „Aufgeregt?“, fragt er väterlich-lächelnd eine 19-Jährige, die am Zeugentisch Platz genommen hat. Die Frau erwähnt, dass sie einen Job anfängt. „Wo?“, will Wagner wissen. „Beim Friseur.“ Als ein Verteidiger die junge Frau befragen will, neckt Wagner: „Das ist der Rechtsanwalt Borowsky. Der ist ein lieber Mann. Da brauchen Sie keine Angst zu haben.“ Der Vorsitzende Richter hat auch ein ausgezeichnetes Gedächtnis. Er kennt Straßen und Geschäfte am Tatort aus dem Effeff. Einen Zeugen überrascht er mit dem Hinweis, dieser trage jetzt bei der Verhandlung die selbe Weste wie auf Fotos vom Tatort.

Quelle: op-online.de

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