Beinamputation wegen Bakterien

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Eine Übertragung könne aber auch durch verunreinigtes OP-Bestecke erfolgen, sagte der stellvertretende Leiter des Gesundheitsamtes, Roland Stepan.

Fulda - Ein eigentlich harmloser, ambulanter Eingriff wird zum Alptraum: Eine Frau legt sich in Fulda bei einem Arzt auf den OP-Tisch und muss sich später ein Bein amputieren lassen, weil sie sich dort vermutlich mit Bakterien infiziert hat. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft. Von Jörn Perske (dpa)

Das Gesundheitsamt Fulda hat ein ambulantes Operationszentrum geschlossen, weil sich dort drei Patienten mit Streptokokken infiziert haben sollen. Betroffen sind zwei Frauen und ein Mann, die am 19. April von dem niedergelassenen Arzt im Bardohaus operiert wurden. Einer der beiden Frauen habe später ein Bein amputiert werden müssen, um eine gefährliche Ausbreitung der Bakterien im Körper zu verhindern, sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft Fulda, Harry Wilke, heute.

Hintergrundinfo: Streptokokken

Die Behörde ermittelt wegen fahrlässiger Körperverletzung. Sie fordert nun einen Bericht des Gesundheitsamtes und will ein Gutachten zur Klärung des Falls in Auftrag geben. Streptokokken sind Bakterien und gehören zu den häufigsten Krankheitserregern. Sie verursachen viele verschiedene Krankheiten wie zum Beispiel Entzündungen. In seltenen Fällen können Streptokokken ein toxisches Schock-Syndrom auslösen.

Gutachten soll Klärung bringen

Der Schockzustand wird durch Giftstoffe verurusacht, die von den Bakterien ausgeschüttet werden. Diese sogenannten Toxine bringen den Blutkreislauf durcheinander und schädigen das Körpergewebe. Der Patient muss sofort Antibiotika bekommen. Befallenes Gewebe kann herausgeschnitten werden. Die Bakterien werden meist durch kleine Tröpfchen in der Atemluft übertragen, etwa beim Husten oder Niesen.

Eine Übertragung könne aber auch durch verunreinigtes OP-Bestecke erfolgen, sagte der stellvertretende Leiter des Gesundheitsamtes, Roland Stepan, der „Fuldaer Zeitung“. Die Betroffenen im Alter von Mitte 20 bis 60 Jahre hatten sich laut Gesundheitsdezernent Heiko Wingenfeld (CDU) vergleichsweise harmlosen orthopädischen Eingriffen unterzogen. Nachdem das Gesundheitsamt Kenntnis von den Fällen nahm, schloss es bereits am 23. April das OP-Zentrum nahe der Innenstadt. Mit dem Gutachten soll geklärt werden, ob die Operationen verantwortlich für die Infektionen war.

Arzt operiert falsches Knie

Solche Zusammenhänge von Ursache und Wirkung seien bei ärztlichen Verfahren generell schwer nachzuweisen, sagte Wilke. Zwei der Infizierten hätten sich nach der Infektion wieder relativ gut erholt. Die Ursache wurde noch nicht ausgemacht. Man müsse alles in den Blick nehmen, sagte Stepan.

Nach dpa-Informationen soll es sich bei dem Arzt um einen Orthopäden handeln, der bereits vor einigen Monaten durch einen fatalen Irrtum auffiel. Er verwechselte bei einer OP das Knie des Patienten - und behandelte statt des kaputten Gelenks das gesunde. Vom Landgericht Fulda wurde er im September 2009 in einem Berufungsverfahren zu einer Geldstrafe und Schmerzensgeld verurteilt.

Quelle: op-online.de

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