Banden schnorren in der Region

Organisiertes Betteln oder echte Armut?

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Frankfurt - Kurz vor Weihnachten spenden viele Menschen besonders bereitwillig an Bedürftige. Da wundert es wenig, dass in Hessens Innenstädten derzeit mehr Bettler auf den Straßen sitzen als sonst.

Doch auch organisierte Banden nutzen die Zeit des Mitleids vor der Bescherung gezielt aus. In Offenbach und anderen Städten in Rhein-Main sind ähnliche Szenen mit Bettlern in diesen Tagen immer wieder zu beobachten: Das Kinn auf der Brust, sitzt der Mann auf dem Gehweg, das Gesicht von einer Kapuze verdeckt. Er hält ein Schild mit der Aufschrift „Ich habe vier Kinder“. Unter einer Decke lugt ein nackter, angeschwollener Fuß hervor. „Das Betteln nimmt jedes Jahr zu Weihnachten zu“, bestätigt unter anderem Ralph Rohr, Sprecher des Frankfurter Ordnungsamts. Es sei ganz normal, dass in der Zeit der großen Einkäufe verstärkt gebettelt werde, in Frankfurt vor allem auf der zentralen Einkaufsmeile „Zeil“. „In der Weihnachtszeit ist natürlich auch die Spendenbereitschaft höher“, sagt Rohr. Inwieweit organisierte Banden diese Mildtätigkeit ausnutzen, kann der Sprecher des Ordnungsamts nicht genau sagen. „Wir stellen nur fest, dass es jetzt mehr ist.“ Doch es gibt Hinweise, dass nicht jeder Bettler auch wirklich bedürftig ist: „Zum Beispiel, wenn auf der „Zeil“ ein Auto vorfährt und vier oder fünf Leute aussteigen, die dann abends wieder abgeholt werden“. Das sei kein Einzelfall.

Auch in der Darmstädter Innenstadt werde zurzeit eindeutig mehr gebettelt als zu anderen Zeiten im Jahr, sagt Stadtsprecherin Eva Bredow-Cordier. Für Ärger sorge vor allem eine organisierte Gruppe aus Rumänien. „Laut Ordnungsamt sind das zwischen fünf und zehn Personen. Die sind extra jetzt zur Vorweihnachtszeit angereist“, sagt die Sprecherin.

Joachim Stoll vom Frankfurter Einzelhandelsverband wagt sich da weiter aus der Deckung: „Vor Weihnachten scheint es erheblich mehr zu sein“, sagt er über das Betteln. „Und in Teilen sieht es organisiert aus“. Er kenne die Jungs, die jeden Tag dieselben Stellen besetzten und immer ein paar persönliche Sachen oder sogar einen Koffer dabei hätten. „Die Echten sehen anders aus“ sagt Stoll. Mit „echten“ Bettlern meint er zum Beispiel Obdachlose. Die seien „richtig fertig“. Stoll befürchtet durch die vielen Bettler Folgen für die Inhaber von Geschäften und ein schlechtes Image für die Stadt.

Frank Goldberg, der Geschäftsführer des Frankfurter Präventionsrats, hält die organisierten Bettelbanden in der Stadt für ein ganzjähriges Phänomen: „Es gibt ganze Gruppen, die behinderte oder versehrte Leute mit Kleinbussen über die Stadt verteilen und abends wieder abholen“, sagt er. In der Innenstadt seien das zwischen 5 und 15 Leute. Goldberg sieht durch die Banden die Spendenbereitschaft insgesamt in Gefahr.

dpa/psh

Quelle: op-online.de

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