Auf Lärmschutztunnel soll gewohnt werden

Der Osten wird grün

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Blick nach Süden auf die A661. Auf der linken Seite befindet sich Seckbach, auf der rechten Bornheim.

Frankfurt (mic) - Ernst May, der bekannte Stadtbaurat im Frankfurt der 1920er Jahre, der revolutionäre Wohnkonzepte speziell für die „einfachen Leute“ entwickelte und die Wohnungsnot linderte, wird in den nächsten Jahren womöglich eine besondere städtebauliche Huldigung erfahren.

Planungsdezernent Olaf Cunitz (Grüne) stellte jetzt Pläne vor, nach denen auf der und rund um die A661 zwischen den Stadtteilen Seckbach und Bornheim im Osten der Mainmetropole ein neuer Stadtteil für bis zu 10.000 Menschen entstehen soll. Sein Arbeitstitel lautet „Ernst May Siedlung“. May hatte zu seiner Amtszeit an exakt dieser Stelle ebenfalls ein Wohnviertel bauen wollen. Freilich gab es damals die als offene Wunde und Demarkationslinie empfundene Autobahn noch nicht.

Bei den neuen Plänen geht es um einen Abschnitt von 1,6 Kilometern und eine Fläche von rund 1,2 Millionen Quadratmetern. Die ehrgeizigen Pläne des Stuttgarter Architektenbüros Pesch Partner ruhen quasi auf dem Großprojekt der Einhausung der Autobahn, das die Stadt an dieser Stelle verfolgt. Die Melange aus Wohnviertel und Kleingartenanlage soll nämlich auch auf dem Deckel des Autobahntunnels entstehen.

Ein sehr dickes Brett

Cunitz sieht keine Alternative zu dem Vorhaben und nannte es angesichts des Wohnungsmangels in der Stadt einen Befreiungsschlag. Bis zu 5000 Wohnungen scheinen nun möglich, ein Quantensprung angesichts bisher diskutierter Zahlen. Auf der Vermarktung der neu entstehenden Fläche ruht die finanzielle Basis des Vorhabens, dessen Kosten auf 120 bis 145 Millionen Euro geschätzt werden. Cunitz will umgehend Verhandlungen mit der Landes- und Bundesregierung wegen Zuschüssen aufnehmen. Mitte kommenden Jahres könnten die Stadtverordneten über das Großprojekt abstimmen.

Das Ganze ist ein sehr dickes Brett. Bis die Bagger anrollen, werden mindestens fünf Jahre ins Land gehen, bis das erste Haus an der A661 steht mindestens 13 Jahre verstreichen. So muss der Planfeststellungsbeschluss für die Alleenspange zurückgenommen werden. Dabei sollte die A661 nördlich von Bornheim mit dem Alleenring verbunden werden, was aber nicht mehr angestrebt wird. Die Baugenehmigung für den Alleentunnel muss geändert werden. Im Gebiet des neuen Stadtteils sind 300 Grundstückseigentümer und 400 Kleingartenpächter in den Planungsprozess einzubeziehen.

Frischluftschneisen und Kleingärten geplant

Obwohl die Einhausung seit Jahren von lärmgeplagten Anwohnern gefordert und von Stadtplaner Albert Speer als positiv für die Stadtentwicklung propagiert wurde, schreckte die Stadt Frankfurt immer wieder vor den immensen Kosten zurück. Dennoch kam es schließlich zu einem Wettbewerb um das beste Konzept.

Das Büro Pesch Partner setzt auf mehr Grünfläche und eine höhere Ausnutzung der flächenmäßig allerdings kleineren Bauareale. Zwei Parks werden durch Grünareale verbunden, auf dem Deckel, aber auch auf anderen Flächen sollen Kleingärten sowie andere Grünanlagen entstehen, es sind Frischluftschneisen geplant.

Beobachter beurteilen die Realisierungschancen des „Ernst-May-Viertels“ zurückhaltend. Der Bund müsse sich nicht finanziell engagieren, weil die Autobahn ja gebaut sei, und es sei auch unsicher, ob durch den Verkauf von Bauland genug Geld in die Kasse fließe. Am Ende werde sich die Stadt entscheiden müssen, welches Defizit zu tragen sie bereit sei, um das stadtplanerische Großprojekt zu stemmen.

Quelle: op-online.de

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