Otti Geschka war erste Oberbürgermeisterin Hessens

„Ohne Schaum vor dem Mund“

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Otti Geschka - „Feministin ohne Schaum vor dem Mund“ - und ihre Hündin Bascha.

Rüsselsheim/Wiesbaden - Als erste Oberbürgermeisterin in Hessen schrieb Otti Geschka vor 20 Jahren Geschichte. Frauen in der Politik war ihr Thema. Heute fordert sie auch mehr Frauen für die Chefetagen der Wirtschaft. Von Joachim Baier

Kaum hat sie in ihrem Wohnzimmer auf der Couch Platz genommen, sagt Otti Geschka einen Satz, den man von einer CDU-Politikerin eigentlich nicht erwartet. „Ich bezeichne mich heute noch als Feministin, nur nicht mit Schaum vor dem Mund“, beschreibt sich die 73-Jährige. Vor 20 Jahren schaffte sie einen Durchbruch: Sie wurde Hessens erste Oberbürgermeisterin, kam an die Spitze der Stadt Rüsselsheim. Sie beendete in der Opel-Stadt die seit 1946 bestehende Vorherrschaft der SPD.

Sonntag, 18. Juli 1993. Mit 53,3 Prozent schlägt die Landtagsabgeordnete und Ex-Staatssekretärin für Frauenfragen den seit 1981 amtierenden Sozialdemokraten Norbert Winterstein (46,7 Prozent). „Ich habe auch gewonnen, weil die Wähler Winterstein nicht mehr haben wollten“, sagt Geschka rückblickend. Sie musste sich durchsetzen: Als CDU-Politikerin traf sie auf ein Stadtparlament, in dem ihre Partei nicht das Sagen hatte. Die CDU hielt dort bei ihrer Wahl nur 18 von 59 Stimmen. Eine parteiübergreifende Zusammenarbeit sei bald schon wieder zerbröckelt, erinnert sich Siegbert Reinig (70). Der SPD-Mann war zu dieser Zeit Stadtverordnetenvorsteher. „Wir befanden uns damals zudem in einer finanziell schwierigen Situation.“ Als Oberbürgermeisterin sei Geschka bei der Bevölkerung aber gut angekommen. „Sie war anerkannt gewesen und ist auf die Menschen zugegangen.“

„Keine wirklich schlechten Erfahrungen gemacht“

Geschka stieß auch auf eine Verwaltung, die von einer jahrzehntelangen SPD-Dominanz geprägt war. „Die kriegt kein Bein auf den Boden“, so sei damals über sie gedacht worden. Schon bald mussten die Mitarbeiter allerdings erkennen, dass der Oberbürgermeisterin kein lascher Führungsstil vorgeworfen werden konnte. Die Rückschau auf ihr Amt ist milde. „Ich habe eine gute Erinnerung“, sagt sie. „Es war ein wunderschönes Amt. Ich habe keine wirklich schlechten Erfahrungen gemacht.“ Dass sie nach sechs Jahren nicht wiedergewählt wurde, „das hat mich schon geschmerzt, damit hatte ich nicht gerechnet. Aber so etwas gehört zur Politik.“

Nach Ihrer Zeit als Oberbürgermeisterin wartete noch eine harte Nuss auf sie. Sie wurde im Jahr 2000 für kurze Zeit Generalsekretärin von Hessens CDU, als die Affäre um die Schwarzgeld-Millionen der Partei für Schlagzeilen sorgte. Kontakt nach Rüsselsheim gebe es bis heute, erzählt Geschka. „Die haben Stil.“ Bei großen öffentlichen Terminen und runden Geburtstagen lade die Opel-Stadt auch ihre ehemaligen Oberbürgermeister ein.

Voller Terminkalender

Aufs Altenteil gesetzt hat sie sich nicht. Ihr Terminkalender ist voll, die Situation von Frauen in der Gesellschaft beschäftigen sie noch heute. Als Vorstandsmitglied arbeitet die zweifache Mutter im Verein „Donum vitae“, der Schwangere in Konflikten berät. Am Thema Gleichberechtigung will sie weiter dranbleiben - sie fordert mehr Frauen für die höheren Etagen der Wirtschaft: „Frauen müssen auch Chefinnen werden.“ Kürzlich erhielt sie den Elisabeth-Selbert-Preis. Die Landesregierung vergibt die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung seit 1983 an Menschen, die sich für Gleichberechtigung einsetzen. Sie habe sich in der „Männerdomäne“ Politik engagiert, als dies für Frauen noch nicht selbstverständlich war, so die Begründung.

dpa

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Quelle: op-online.de

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