Palmengarten

Test mit blühendem Lärmschutz gescheitert

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Der Versuchsaufbau der begrünten Lärmschutzwände an der Zeppelinallee in Frankfurt.

Frankfurt - Der warme Winter hat der Machbarkeitsstudie „Vertikaler Garten am Palmengarten Frankfurt“ einen ordentlichen Strich durch die Rechnung gemacht. Von Sonja Thelen 

Das wurde jetzt deutlich, als die Jury und Palmengartendirektor Matthias Jenny das Ergebnis des einjährigen Wettbewerbs der Presse mitteilten. Als Kooperationspartner hatte die Fachvereinigung Bauwerksbegrünung (FBB) vier Mitgliedsbetriebe ausgewählt, die vier jeweils 15 Quadratmeter große Versuchsflächen mit vier verschiedenen „wandgebundenen Fassadenbegrünungssystemen“ an der Lärmschutzwand an der Nordgrenze des Palmengartens anbrachten. Die vier Gartenbaubetriebe hatten die einzelnen zu begrünenden Flächen an der Zeppelinallee mit 15 verschiedenen Pflanzenarten und einem automatischen Bewässerungssystem bestückt.

Start der Studie war im Mai 2013. Ein Jahr lang pflegten die Mitarbeiter des Palmengartens die begrünten Lärmschutzwände. Monatlich begutachtete das Team der Hochschule aus Geisenheim, das die Studie wissenschaftlich begleitete, dokumentierte und auswertete, den Zustand der Versuchsflächen, erläuterte Professor Stephan Roth-Kleye. Nach einem komplizierten Rechenverfahren, in dem für die Kriterien Vegetation, Pflege & Wartung, Herstellungskosten, Systemmaterial und Wasserverbrauch unterschiedlich viele Punkte vergeben wurden, ermittelte die Hochschule einen Gewinner. Es ist das Unternehmen Vertiko aus Freiburg. „Die liegen in der Gesamtsumme der Punkte deutlich vorne“, so Roth-Kleye.

Ergebnis der Studie ist nicht eindeutig

Allerdings ist weder Matthias Jenny, Jurymitglied Ben Knöther (Landschaftsarchitekt) der Kooperationspartner FBB noch Professor Stephan Roth-Kleye von dem Ergebnis überzeugt. „Wir hatten während der Zeit nur an zwei Tagen im November Frost. Die Winterhärte war nicht zu testen. Daher plädiere ich für eine Verlängerung der Studie“, sagte FBB-Präsident Gunter Mann. Doch das sei eine Frage der Finanzierung, betonte Matthias Jenny in seiner Funktion als Beiratsmitglied der „Stiftung Palmengarten und Botanischer Garten“, die die Kosten von zirka 60.000 Euro für die Machbarkeitsstudie übernommen hatte: „Denn für solche Projekte verfügt der Palmengarten nicht über die finanziellen Mittel.“ Jenny will sich dafür einsetzen, zumindest die Entwicklung der Gewinner-Versuchsfläche in einer Langzeituntersuchung zu verfolgen: „Denn unser Ziel war es, das System zu ermitteln, das nach einem Jahr die besten Chancen verspricht.“ Schließlich geht es um das ehrgeizige Vorhaben, die 500 Meter lange und drei Meter hohe Lärmschutzwand des Palmengartens vertikal zu bepflanzen.

Aber das Ergebnis der Machbarkeitsstudie ist nun wegen des milden Winters nicht eindeutig. Das Wo und Wie sei mit der Stiftung zu klären. Sein Anliegen sei es, etwas für das Grün und das Klima in der Stadt Frankfurt zu tun, so Jenny. Allerdings wünscht sich Jury-Mitglied Knöther im Falle einer Langzeituntersuchung, dass der Zweitplatzierte - Schadenberg combi groen (Niederlande) – miteinbezogen wird.

Quelle: op-online.de

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