Von den Bürgern für die Bürger

Frankfurt - Die friedliche grüne Oase inmitten der Stadt ist eigentlich das Resultat eines Krieges. Als Preußen und Österreich im Jahr 1866 ihre Händel ausfochten, wurde die Freie Reichsstadt Frankfurt von Preußen annektiert, ebenso wie das angrenzende Kurfürstentum Hessen-Kassel und das Herzogtum Nassau. Von Christian Riethmüller

Dessen Herzog Adolph lebte im Schloss Biebrich bei Wiesbaden, wo er sich nicht nur über die schöne Lage am Rhein, sondern auch über seine Pflanzensammlung freuen konnte, die mit etwa 20 000 exotischen Pflanzen zu den bedeutendsten ihrer Zeit gehörte.

Nach der Annektion durfte Adolph zwar das Biebricher Schloss behalten, doch zog er es vor, nach Frankfurt zu ziehen. Da das Herzogtum zudem überschuldet war, entschloss er sich, seine Pflanzensammlung zu verkaufen. Mit dem Verkauf wurde der damals schon zu erstem Ruhm gekommene Bockenheimer Gartenkünstler Heinrich Siesmayer beauftragt.

Siesmayer wusste um die Bedeutung der Pflanzensammlung

Siesmayer wusste um die Bedeutung der Pflanzensammlung und wandte sich an den Bankier Ludwig von Erlanger, der vermitteln sollte, dass die Biebricher Gärten nach Frankfurt verlegt werden. Erlanger nahm Kontakt mit dem „Verschönertungsverein Frankfurt am Main“ auf, einem Verbund wohlhabender und honoriger Frankfurter Bürger. Denen gefiel die Idee Siesmayers, nach dem Vorbild anderer bedeutender Städte einen großen Wintergarten mit Restaurant und einem angeschlossenen Park zu gründen, dessen Grundstock eben die Sammlung aus dem Biebricher Schloss sein sollte.

Die Herren des Komitees ließen sich weder vom Umfang der Aufgabe noch von den horrenden Kosten, die auf 300.000 Gulden (ohne Grunderwerb) veranschlagt wurden, schrecken. Wie bei anderen Projekten jener Zeit, etwa dem Bau des Eisernen Stegs, gelang es, die Frankfurter Bürgerschaft zu begeistern, die über den Kauf von Anteilsscheinen das kühne Vorhaben finanzierte. Im Frühjahr 1869 konnten die Aufträge für den Bau des Gesellschaftshauses wie auch des Palmenhauses vergeben werden, im September des selben Jahres wurde die Biebricher Pflanzensammlung nach Frankfurt gebracht.

Gartenanlage war sofort ein Publikumserfolg

Am 16. März 1871 war es dann soweit: In Anwesenheit von Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen, dem späteren Kaiser Friedrich III., wurde der Palmengarten feierlich eröffnet. Die von Heinrich Siesmayer gestaltete Gartenanlage war sofort ein Publikumserfolg und lockte nicht nur die Frankfurter, sondern auch Besucher von weither an.

Daran hat sich bis heute nichts geändert. Was Siesmayer stolz als eine seiner „interessantesten und bestgelungensten Ausführungen“ bezeichnete, ist immer noch und immer wieder einen Ausflug wert. Das ganze Jahr über bietet der Palmengarten eine Abfolge thematischer Ausstellungen, die Wissenswertes über heimische und exotische Pflanzen vermitteln oder aber einfach nur die Blütenpracht von Azaleen, Kamelien oder Rosen feiert.

Gesellschaftshaus soll bald wieder öffnen

Derzeit können Besucher in der Galerie am Palmenhaus bei der Schau „Gut gewürzt“ eine Weltreise zu bekannten und vor allem auch unbekannten Gewürzen unternehmen. Manches davon findet auch im Café Siesmayer Verwendung, das nicht nur mit einer schönen Außenterrasse, sondern vor allem mit der köstlichen und kaum zu übertreffenden Patisserie zu punkten weiß.

Auch das 2002 wegen Baufälligkeit geschlossene Gesellschaftshaus, das seit Jahren mit großem Aufwand saniert wird, soll bald wieder öffnen. Momentan ist der 1. September 2012 anvisiert. Sternekoch Alfred Friedrich wird dort das Restaurant „Lafleur eröffnen“. Infos gibt es auf der Internetseite des Palmengartens.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare