400.000 Hessen von Datenfehlern betroffen?

Pannen sorgen für Chaos bei Finanzämtern

+
Viele Bürger müssen sich unter anderem auf überhöhte Steuerabzüge einstellen.

Offenbach - Vielen Arbeitnehmern in Hessen drohen zum neuen Jahr mit Einführung der elektronischen Lohnsteuerkarte fehlerhafte Lohn- und Gehaltsabrechnungen bzw. Steuerzahlungen. Von Peter Schulte-Holtey

„Bis zu 400.000 Steuerzahler könnten betroffen sein“, sagte Michael Volz, Vorsitzender der hessischen Steuer-Gewerkschaft, unserer Mediengruppe.

Auslöser des durch die Umstellung aufs neue Verfahren ELSTAM verursachten Steuerchaos’ sind massenhaft fehlerhafte Daten von den Meldebehörden. Volz: „Wenn diese Daten nicht richtig sind, kann es zu falschen Lohnabrechnungen kommen.“ Unter anderem könnten Steuerklassen falsch angegeben sein. Möglich sei auch, dass Beschäftigte keine Kirchensteuer zahlen müssten, obwohl sie gar nicht aus der Kirche ausgetreten seien. Die Folge: überhöhte oder zu geringe Zahlungen an Steuerbürger.

Der Rat des Gewerkschaftsvorsitzenden: Arbeitnehmer sollten bei ihrer Lohnabrechnung auf einige Punkte achten und bei der Steuerabrechnung diesmal besonders genau hingucken; die mögliche Nachzahlung gebe es dann mit dem Jahresausgleich. In jedem Fall sollten sich Betroffene bei Abweichungen mit den Finanzbehörden in Verbindung setzen. Vorab könnten Arbeitnehmer auch die persönlichen Angaben in der Lohnabteilung ihres Unternehmens einsehen.

Gespeicherten Daten im Portal überprüfen

Der Tipp von Sonja Prechtner, Vize-Präsidentin des hessischen Steuerberaterverbandes: „Arbeitnehmer sollten ihre gespeicherten Daten im Portal der elektronischen Steuererklärung - ELSTER -überprüfen. Dies ist heute schon möglich. Wichtig ist: Hatte man bisher einen Freibetrag, zum Beispiel für Fahrtkosten auf der Lohnsteuerkarte, so muss man diesen neu beantragen.“ Nach Angaben von Prechtner werden auch die Arbeitgeber ihre Arbeitnehmer auf den Umstellungstermin hinweisen. „Denn man muss nicht zum Januar umstellen, sondern kann bis Dezember 2013 warten; somit werden nicht alle Arbeitgeber ab Januar auf das neue Verfahren umstellen“, meinte die Steuerberaterin.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:

Wehrlos ausgeliefert

Die Mitarbeiter der Finanzbehörden treffe keine Schuld am Durcheinander, fügte Volz hinzu. „Die Ämter in Hessen bekommen den großen Personmangel ja auch bei der Umstellung auf die elektronische Steuerkarte zu spüren“, so Gewerkschaftler. Nach seinen Angaben hat Landesfinanzminister Thomas Schäfer jetzt auf die eklatanten Engpässe reagiert und die befristete Anstellung von 100 zusätzlichen Mitarbeitern in Hessens Finanzämtern bis 2014 verlängert.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare