Papageno Musiktheater am Palmengarten

Eine schöne Gesellschaft

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Wer ist den nun Charleys Tante? Carlotta Ramirez (Renate Maienschein, l.) oder doch ihre Doppelgängerin (Hans-Dieter Maienschein)

Frankfurt - 120 Jahre hat die Farce von Brandon Thomas auf dem Buckel, doch auch 2015, in der Inszenierung des Papageno Musiktheaters, sind mit der leichtfüßigen Travestie-Komödie „Charleys Tante“ noch mühelos Lachstürme zu entfesseln. Von Maren Cornils

In Frankfurt ist das vor allem Hans-Dieter Maienschein zu verdanken, der – wie dereinst Heinz Rühmann oder Peter Alexander - die frivole Tante aus Brasilien mit viel Witz und Spaß an der Zweideutigkeit gibt. Die Studenten Charley Sallmann (Frederik Böhme) und Ralf Dernburg (Tim Grothe) haben zwei kesse Schwedinnen kennengelernt, die sie gern zu sich nach Hause einladen würden. Doch Britta (Angela Scochi) und Ulla (Semira Samar) ahnen, worauf die Einladung hinausläuft und lehnen mit Hinweis darauf, das anständige junge Damen nie allein mit Männern sein sollten, dankend ab. Um die beiden blonden Touristinnen doch noch in ihre Wohnung zu locken, erfinden die beiden Charmeure eine große Abendgesellschaft, die zu Ehren von Charleys nach Brasilien ausgewanderter, momentan zu Besuch in Frankfurt weilender Tante Carlotta (Renate Maienschein) stattfinden soll.

Der Trick ist erfolgreich, die Mädchen gehen Ralf und Charley auf den Leim und beginnen erst zu ahnen, wie der Hase läuft, als nach und nach alle Gäste absagen und sie allein mit ihren beiden Verehrern auf der Dachterrasse sitzen. Freie Bahn für die beiden Herzensbrecher bedeutet das dennoch nicht, denn ohne die in Aussicht gestellte Anstandsdame sind die beiden Schwedinnen zum Gehen entschlossen. Glück für Charley und Ralf, dass Otto von Dernburg (Hans-Dieter Maienschein), Ralfs großer Bruder, zufällig Zeuge des Gesprächs wird und beschließt, die Party eigenhändig zu retten: In Frauenfummel gekleidet, erscheint er als Carlotta Ramirez auf der Bildfläche und wickelt die blonden Naivchen mühelos um den Finger. Als dann allerdings erst Ullas Onkel (Jörg Schäfer), dann Carlottas Vetter August (Sven Marko Schmidt) und schließlich noch die echte Tante aus Brasilien (Renate Maienschein) vor der Tür stehen, kommt auch die flirtfreudige Matrone ordentlich ins Schwitzen.

Das Papageno Musiktheater hat für seine Inszenierung (Regie: KS June Card) eine musikalische Fassung aus den 60er Jahren wiederentdeckt, bei der Carlotta, Britta, Ulla, Charley und Ralf sich auch gesanglich beweisen dürfen. Da dürfen die Herren sich in „Es geht nicht ohne Frauen“ eingestehen dass das Leben ohne das schöne Geschlecht nur halb so viel Spaß macht und Carlotta mit wildem Hüftschwung und wogender Oberweite in „Das ist das Land, wo man die Liebe erfand“ von Brasilien schwärmen. Die vier Youngster- beweisen dabei nicht nur Schauspieltalent, sondern auch Rhythmusgefühl. Sie haben allerdings das Pech, dass ihnen der Papageno-Intendant ein ums andere Mal die Schau stiehlt. Und so darf sich Maienschein in Pumps, Perlonstrümpfen, falschen Wimpern, Lockenperücke und zeltartigem Abendkleid denn auch nach Herzenslust austoben.

Weitere Aufführungen am 18. und 25. April, am 13. und 27. Juni sowie am 4. und 11. Juli

Quelle: op-online.de

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