Abenteuerspielplatz Riederwald

Ein Paradies für Kinder

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Sozialarbeiter John Leicher ist seit 40 Jahren für den Abenteuerspielplatz Riederwald tätig.

Frankfurt - Der Verein Abenteuerspielplatz Riederwald wird 40 Jahre alt. Generationen von Kindern haben auf dem Abenteuerspielplatz gespielt, gehämmert, gematscht. Und sie tun es auch heute noch mit Begeisterung.

Spielplatzleiter John Leicher ist seit vier Jahrzehnten fast immer dabei. Spielen, Hämmern, Malen, Matschen und einmal richtig laut sein dürfen, ohne dass die Erwachsenen meckern: Mitten im Frankfurter Riederwald, überdacht von den Ästen alter großer Bäume, liegt ein Paradies für Kinder - der Abenteuerspielplatz (ASP) Riederwald. 1973 eröffneten Falken, Jusos und die Riederwälder Bevölkerung diesen Spielplatz der besonderen Art. Vor genau 40 Jahren gründete sich dann der Verein Abenteuerspielplatz Riederwald, dessen Vorsitzender bis heute der Frankfurter Stadtrat Michael Paris ist. Es folgten mit dem ASP Günthersburg im Nordend und dem ASP Colorado Park in Ginnheim zwei weitere Abenteuerspielplätze.

Egal, in welchem Stadtteil - die Frankfurter Abenteuerspielplätze sind ein Generationentreff. Während die neunjährige Vanessa mit ihrer Schwester Tanja (11) über das Gelände streift, grillen zwei Väter Bratwürste auf einem Rost. Die Schwestern laufen zum Pool, der - noch - ein Sandkasten ist. Mit ein bisschen Fantasie kann man sich vorstellen, wie er im Sommer mithilfe einer großen Plastikplane und Wasser zum kleinen Schwimmbad wird. Und wie sich dann an heißen Tagen, beschattet vom Blattwerk der Bäume, die Kinder von der selbst gebauten großen Wasserrutsche mit lautem Geschrei hinunter gleiten lassen.

Vanessa und Tanja sind Fans des Kinderfreizeitgeländes. Vor allem dass man hier so viele Häuser aus Holz bauen und sie danach anmalen kann, finden die beiden Mädchen toll. Den Spielplatzleiter John Leicher, das spürt man sofort, lieben die beiden. Weil er sie ernst nimmt und köstliche Bananenbrote mit Nutella schmiert. Gutmütig sei der John, könne aber auch „sauer werden, wenn jemand trinkt oder raucht“.

Landessieger im Wettbewerb „Kinder in der Stadt“

John Leicher sägt gerade ein Brett zurecht, am alten Baumhaus muss etwas ausgebessert werden. Seine grauen schulterlangen Haare hat er zu einem Pferdeschwanz gebunden. Furchen durchziehen die sonnengegerbte Haut seines Gesichtes und erzählen von fast vier Jahrzehnten, die der 57 Jahre alte Sozialarbeiter im Riederwald wohl überwiegend unter freiem Himmel verbracht hat. Als Honorarkraft fing er an. Danach leistete Leicher, der ursprünglich Koch werden wollte, seinen Zivildienst auf dem Abenteuerspielplatz ab, blieb dem Gelände als pädagogische Hilfskraft treu, wurde schließlich fest als Sozialarbeiter eingestellt. Unterstützt wird er heute von einer Sozialpädagogin und ehrenamtlichen Helfern wie Oma Jutta, die regelmäßig Kartoffelsuppe für die Kinder kocht.

Die Bindung an den Stadtteil ist groß, auch für Leicher, für den der Riederwald „Heimat“ geworden ist. Die wiederum ist für viele Kinder der Spielplatz. „Vor allem für unsere Stammkinder hat er was von Familie“, sagt er. Der Abenteuerspielplatz sei „ein geschützter Raum“ und genau deshalb auch so beliebt. Und das bereits bis in die vierte Besuchergeneration hinein. Als Sozialarbeiter wird Leicher mitunter auch mit familiären Problemen konfrontiert. Manchmal empfindet er sich als Mischung aus Seelsorger, Sozialarbeiter und Polizist. „Wir hatten“, erzählt er, „schon alles, auch Gewalt in der Familie bis hin zu sexuellem Missbrauch“. Er habe einen Vertrauensbonus, einen anderen Zugang zu den Familien. Leicher, Sohn eines ehemaligen US-Soldaten mit indianischen Wurzeln, formuliert es so: „Die Gespräche sind einfach anders, wenn man mit einem Vater gemeinsam eine Hütte aus Holz baut.“

Herübergeschwappt nach Deutschland war die Abenteuerspielplatzbewegung Anfang der 1970er aus Dänemark, England und der Schweiz. Von Anfang an förderte die Stadt Frankfurt das Konzept. Gegenwärtig erhält der Abenteuerspielplatz Riederwald für seine Arbeit jährlich 670.000 Euro. 1989 wurde der Verein Landessieger im bundesweiten Wettbewerb „Kinder in der Stadt“, im Jahr 2000 erhielten Michael Paris und sein Team vom Deutschen Kinderhilfswerk den Kinderkulturpreis. Heute beschäftigt der Verein 15 hauptamtliche Mitarbeiter, darunter ein Dutzend Sozialarbeiter und -pädagogen. Unterstützung erfährt er von 80 Ehrenamtlichen. Höhepunkt der Saison sind die Main- und Opernspiele mit bis zu 50 000 Besuchern jährlich. Ein vierter Abenteuerspielplatz wird am 28. Mai, am Weltspieltag, am Grazer Weg in Oberrad eröffnet.

(cnn)

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Quelle: op-online.de

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