Die Parks ertrinken im Müll

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Ahmed Abdiwali säubert den Ostpark. Zu dem, „normalen“ Picknick-Müll kommen alte Fahrräder, Elektroschrott, Bauschutt, Sperrmüll. Frankfurts Parks verwandeln sich an den Wochenenden zu Feiermeilen und Müllkippen.

Frankfurt ‐ 2,6 Millionen Blumen mehr für die Parks; 18.000 Quadratmeter neue Spazierwege; 100 Beete mit je 100 Quadratmetern, vier Outdoor-Fitness-Anlagen oder vier neue Spielplätze.  Von Michael Eschenauer

Einen dieser schönen Posten könnte die Stadt Frankfurt ihren Bürgern spendieren, wenn diese ihre Angewohnheit mindern würden, regelmäßig Parks und Grünanlagen in Müllhalden zu verwandeln. Auf 1,93 Millionen Euro summieren sich mittlerweile die Reinigungs- und Entsorgungskosten der Mainmetropole. 40 Prozent des 4,85 Millionen Euro umfassenden Jahresetats für die Grünflächen-Pflege fließen in die Müllabfuhr. Die „Geschenke“ am Beginn dieses Artikels wären bereits bezahlt, wenn das Müllaufkommen und damit die Kosten der Beseitigung um nur ein Drittel zurückgingen. Und sie würden jedes Jahr auf dem Gabentisch liegen. Seit Jahren verschönert Frankfurt seine Grünanlagen und wirbt für sie; 52 Prozent der Stadt sind Grünfläche; viele der Frankfurter nennen keinen Garten ihr Eigen - frische Luft ist beliebt.

Doch jetzt kommt die Quittung: Die Mode, am Wochenende mit Freunden eine Grillfete im Park zu veranstalten, hinterlässt zunehmend unappetitliche Spuren rund um Wiesen, Spielplätze und Parkbänke. Die Entsorgung von Pizzakartons, Fertiggrills, Plastiktüten, Flaschen und Asche ist kaum noch zu bewältigen. Am Fronleichnams-Wochenende kamen am Mainufer 60 Kubikmeter Müll zusammen. Frankfurts Gärtner werden zu Müllkutschern. „Wir wollen den Leuten nur die eine Botschaft übermitteln: Wenn ihr die Parks nutzt, nehmt alles, was ihr mitbringt, wieder mit“, sagte gestern Manuela Rottman (Grüne) bei einem Ortstermin im Ostpark. Es herrsche, so die Umweltdezernentin, bei vielen Bürgern immer noch die Meinung vor, dass man seinen Müll einfach in die Mülleimer werfen müsse, und alles sei gut. „Das ist aber nicht so, denn auch der korrekt weggeworfene Müll kostet die Stadt Unsummen, die sie ihren Bürgern an anderer Stelle wegnehmen muss - zum Beipiel bei der Verschönerung der Parks“, so die Politikerin. Deshalb will man auch nicht immer mehr und immer größere Tonnen aufstellen. Das locke nur noch mehr Dreck an. Vandalen seien nur eine Minderheit. Die meisten Leute wüssten es einfach nicht besser.

Parks werden als Universal-Müllkippen missbraucht

„Montags ist es besonders schlimm. Heute haben wir nur fünf Kubikmeter eingesammelt, das ist noch relativ wenig, weil am Wochenende die Leute zuhause Fußball geschaut haben.“ Ahmed Abdiwali ist einer der Männer, die sich beim Grünflächenamt der Mainmetropole Tag für Tag mit den Hinterlassenschaften der Picknick-Freunde herumschlagen. Manche Zeitgenossen, so sein Chef Stefan Heldmann, würden die Parks zudem als Universal-Müllkippen missbrauchen. Da werde manches  sogar  mit dem Auto herangekarrt. Altreifen, verbogene  Campingtische, Fahrräder - in den Müllhaufen gibt es nichts, was es nicht gibt.

2009 karrte das Grünflächenamt in den Parks 1,1 Tonnen Bauschutt, Aushub oder  Boden mit Steinen weg, hinzu kamen 42 Tonnen regulärer Abfall, 3,5 Tonnen Grünabfall, 7 Tonnen verunreinigter Grünabfall und 189 Tonnen Holz. Insgesamt summierte sich der Schmutz auf 4881 Tonnen.

Heldmann und Rottmann halten weniger von Überwachung und Strafen als von Aufklärung. „Jedes Kilo Müll kostet die Stadt und ihre Bürger Geld“, so Rottmann. Zur Verhaltensänderung der Parkbesucher müsse die Bereitschaft und die Zivilcourage kommen, andere auf Fehlverhalten hinzu weisen.

Quelle: op-online.de

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