Parlamentshandbuch erzählt Geschichten

Spannung auf den zweiten Blick

+
Tarek Al-Wazir

Wiesbaden - Ein Buch mit 110 Hauptfiguren lässt nicht gleich auf spannende Lektüre schließen. Auch der Titel „Handbuch des Hessischen Landtags. 19. Wahlperiode“ kommt eher trocken daher.

Doch auf den zweiten Blick bietet das unscheinbare Werk alles, was gute Unterhaltung ausmacht: Drama, das Ringen um Macht, Geld und Einfluss. In jenem Kapitel mit der unverfänglichen Überschrift „Angaben der Abgeordneten nach den Verhaltensregeln“ erreicht die Spannung den Höhepunkt. Wer sitzt bei welcher Stiftung, Firma, Sparkasse, bei welchem Energieversorger? Unschwer ist zu erkennen, dass gerade Vertreter der Union gut dotierte Posten haben. Clemens Reif gibt als Einkommen aus eigenen Firmen Stufe 6 (bis 75.000 Euro) an, dazu noch Stufe 4 (bis 30.000 Euro) aus Aufsichtsratsmandaten. Ex-Finanzstaatssekretär Walter Arnold (CDU) kommt monatlich auf Stufe 1 (1000 bis 3500 Euro) als Unternehmensberater, dazu jährlich auf Stufe 4 als Aufsichtsrat.

Der Dietzenbacher Grünen-Abgeordnete Frank Kaufmann

Der FDP-Abgeordnete Wolfgang Greilich verdient als Rechtsanwalt ein Zubrot nach Stufe 5 (bis 50 000 Euro). Verglichen damit darben die Sozialdemokraten Marius Weiß und Lothar Quanz mit Nebeneinkünften von Stufe 3 (bis 15 000 Euro) geradezu. Bei der Linken verdient Hermann Schaus als nebenamtlicher Gewerkschaftssekretär auf Stufe 1 hinzu. Der Dietzenbacher Grünen-Abgeordnete Frank Kaufmann rechnet als Aufsichtsrat beim Flughafenbetreiber Fraport mit monatlichen Bezügen der Stufe 2 (3500 bis 7000 Euro). Wie in jedem guten Schmöker geht es natürlich auch um Liebe. Im Handbuch von 2009 hieß es bei der Grünen-Abgeordneten Angela Dorn noch: ledig. Und nun: verheiratet, drei Kinder. 2009 war Jürgen Frömmrich (Grüne) noch geschieden, seitdem gab es ein Happy End mit „verheiratet, ein Kind“. Hochzeitsglocken läuteten auch für Tobias Utter (CDU) und Marius Weiß (SPD).

Das hessische Kabinett

Kabinett des Landtags: Bilanz nach einem Jahr

Es geht um neue Zeiten, nachdem sich CDU und Grüne erstmals in Hessen zum Regieren gefunden haben. In wie vielen Handbüchern seit 1995 firmierte der Offenbacher Tarek Al-Wazir erst als Student, dann als Diplom-Politologe. Nun darf er sich Staatsminister nennen. Volker Bouffier (CDU) regiert zwar schon seit 2010, doch in dieser Neuausgabe wird er erstmals als Ministerpräsident geführt. Und beim SPD-Fraktionschef Thorsten Schäfer-Gümbel, der auch regieren wollte, steht für fünf lange Jahre bis 2019 weiterhin: Politikwissenschaftler.

dpa

Quelle: op-online.de

Mehr zum Thema

Kommentare